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Urologie 18. Jänner 2006

Ab 50 geht‘s mit den Hormonen bergab

Das Androgendefizit im Alter trifft jeden Mann. Die Frage ist nur, wann und wie stark. Androgenmangelsymptome überlappen mit Altersbeschwerden, was die Differenzialdiagnose und damit die Indikation zur Hormonersatztherapie (HRT) nicht gerade einfach macht.

Der Late Onset Hypogonadism, das Androgendefizit beim älteren Mann, ist laut Definition ein biochemisches Syndrom im fortgeschrittenen Alter, welches durch einen Hypandrogenismus mit oder ohne verminderte genomische Sensitivität für Androgene gekennzeichnet ist. Das Syndrom kann die Lebensqualität beeinflussen und sich negativ auf viele Organfunktionen auswirken.

Androgenmangel nachweisen

„Der gemischte (primär/sekundäre) Hypogonadismus wird auch als PADAM (Partielles Androgendefizit des alternden Mannes) oder PEDAM (Partielles endokrines Defizit of the Aging Male) bezeichnet und ist prinzipiell eine Indikation zur HRT. Hier sind LH und FSH erhöht oder erniedrigt und Testosteron erniedrigt“, erklärte Dr. Jakob Lackner, Univ.-Klinik für Urologie, Medizinische Universität Wien, im Rahmen einer wissenschaftlichen Sitzung in der Gesellschaft der Ärzte in Wien im April. PADAM ist als Syndrom mit den Symptomen des Androgenmangels und laborchemisch nachgewiesenem Androgenmangel definiert. Die Anzahl der Leydigzellen sinkt ebenso wie die hypothalamische Sekretion von GnRH und die Hypophyse spricht vermindert auf GnRH an. Es kommt zu Fibrose und Durchblutungsstörungen der Hoden. „Jeder Mann hat seine eigene Testosteronschwelle, ab der er symptomatisch wird und die er immer erreicht. Verschiedene Männer haben aber ganz unterschiedliche Schwellenwerte, und das ist das Problem, wenn eine HRT geplant ist“, erklärte der Urologe. „Die Hormonsituation des Mannes ist nicht mit der Situation der Frau vergleichbar“, stellt Prof. DDr. Christian Kratzik, ebenfalls Univ.- Klinik für Urologie, fest. Die Sexualhormone beim älteren Mann verändern sich im Alter und es entwickelt sich das PADAM. Kratzik: „LH, FSH und ganz wichtig auch das SHBG (Sexual Hormon Binding Globulin) steigen an. Das Komplettmolekül des Testosterons fällt um 1,6 Prozent pro Jahr ab, das freie Testosteron um fast das Doppelte auf 3,5 Prozent pro Jahr. Auch das Östrogen sinkt.“

Problem mit Normalwerten

Das Problem, vor dem die Urologen schon bei der Diagnose PADAM stehen, ist vor allem die Definition der Normalwerte. „Es ist ein Unterschied, ob ich den Hormonstatus im Altersheim bestimme oder bei einem älteren Mann, der voll im Arbeitsleben integriert ist. Außerdem haben wir noch die differente Analytik, und ob der Normalbereich von jungen gesunden Probanden im Alter wirklich relevant ist, ist die Frage“, erklärte der Urologe. Das An­drogendefizit wird für eine Reihe von Symptomen, an denen ältere Männer leiden, verantwortlich gemacht: Objektive, die relativ leicht messbar sind, und die schwer einschätzbaren subjektiven Beschwerden, für die es allerdings bereits spezielle Fragebögen zur Verifizierung gibt (siehe Tabelle). Wohlbefinden nimmt zu Testosteron wirkt auf ZNS und Schwellkörper, also auf die Libido und die eigentliche Erektionsfunktion. „Nach Studien wissen wir, dass 60 Prozent der physiologischen Androgenität für die volle sexuelle Aktivität ausreichen. Testosteron korreliert aber auch mit einer schweren erektilen Dysfunktion“, sagte Kratzik. Testosteron hat auch Einfluss auf die Knochendichte, bis heute gäbe es jedoch keine klaren Angaben zur Verbesserung der Frakturrate. „Wir konnten nachweisen, dass Testosteron mit dem BMI (Body Mass Index) korreliert, denn exogenes Testosteron erhöht die Muskelmasse und damit auch den BMI“, so Kratzik. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen Testosteron, KHK und Atherosklerose. Das Hormon ist z.B. nach einem Myokardinfarkt niedrig, exogenes Testosteron supprimiert die LDL ohne Effekt auf HDL, und es reduziert Cholesterol. Eine klare Korrelation lässt sich auch zwischen Depression und Testosteron nachweisen. Es verbessert die räumlich kognitiven Funktionen, die Stimmungslage, Energie und Wohlbefinden. „Jetzt parke ich wieder besser ein“, zitiert Kratznik einen Patienten unter HRT.

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