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Urologie 18. Jänner 2006

Patientinnen gegen Harninkontinenz mobil machen

Beckenbodentraining, Medikamente, Verhaltenstherapie oder Hilfsmittel: die nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten der Inkontinenz zeigen Wirkung.

„Zum Thema Beckenbodentraining findet man in der Cochrane-Library 43 randomisierte, kontrollierte Studien (RCT)“, erläuterte OA Dr. Daniela Dörfler von der Univ. Klinik für Frauenheilkunde, Med. Universität Wien, bei einer wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft der Ärzte Mitte Juni in Wien. Die Ergebnisse der Studien zeigten, dass Beckenbodentraining bei Stress- undgemischter Inkontinenz besser als Placebo oder keine Therapie ist. Die Rolle der Begleittherapien ist unklar, und die Studien schlossen zumeist prämenopausale Patientinnen ein.

Beckenboden wird bewusst

Vaginalkonen und Elektrostimulation dienen dazu, der Patientin den Beckenboden durch die Aktivierung der Muskeln wieder bewusst zu machen. Dörfler: „Zu den Vaginalkonen gibt es 15 Studien in Cochrane, aber mit sehr kleinen Fallzahlen und daher eingeschränkter Qualität. Auch die Drop-out-Rate war mit bis zu 40 Prozent sehr hoch. Die Outcomeraten blieben eher unklar.“ Das Ergebnis lautete: Bei der Stressinkontinenz sind Konen besser als keine Therapie, jedoch nicht besser als Beckenbodentraining oder Elektrostimulation. Zur Elektrostimulation gibt es derzeit nur eine Arbeit in der Cochrane-Library, und zwar nur bei der Fäkal-, nicht jedoch bei Harninkontinenz. Sie zeigte bei der Dranginkontinenz eine enge Grenze zwischen Schmerz und Wirkung auf. „Die Methode hat aber in der Literatur wenig bis keine Nebenwirkungen. Bei der Drang­inkontinenz ist die Heilungsrate sehr hoch“, meint die Gynäkologin.

Hilfsmittel helfen

Zu den Pessaren gibt es keine randomisierten Studien. Bei dieser sehr alten Therapieform ist keine Heilung zu erzielen, aber die Patientinnen sind mit Applikation der Hilfsmittel als trocken zu bezeichnen. Besonders positiv ist, dass die Selbstanwendung trainiert werden kann. Als Indikation für Pessare gelten Stressinkontinenz und Exercise-incontinence. Die Heilungsraten liegen in den Studien bei 41 Prozent, die Besserungsrate bei 45 Prozent. Risiken sind in der Literatur eigentlich nur in Einzelfallstudien erhoben worden. Insgesamt kann jedoch gesagt werden, dass Pessare ein sehr gutes Hilfsmittel sind. „Auch wenn der Wunsch besteht, nicht operiert zu werden, handelt es sich hier um eine sehr lohnende Therapieform“ betonte Dörfler. Der Sinn des Toilettentrainings ist, dass die Patientin in einem fixen Intervall zwischen zwei Miktionen uriniert. Dörfler: „Die Aufforderung zum Harnlassen bedarf einer zweiten Person, die die Patientin an den Toilettengang erinnert. Für dieses ,Prompt voiding‘ gibt es in Cochrane fünf Studien, die gute Kurzzeiteffekte zeigten, Langzeiteffekte wurden nicht erhoben.“ Das Blasentraining versucht bei Patienten mit Urgency die Intervalle zwischen dem Harnlassen zu verlängern. „Die Literatur ist hier sehr widersprüchlich. Doch man sollte durchaus davon ausgehen, dass es eine sehr hilfreiche Methode bei allen dranginkontinenten Patienten darstellt“, erklärte Dörfler. „Bei der Dranginkontinenz wurde in der Literatur eine gesicherte Wirkung von Anticholinergika erhoben. Für die Stressinkontinenz geht man von einer begründeten Wirksamkeit für das Duloxetin aus beziehungsweise liegen dafür kurzzeitige Daten vor.

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