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Urologie 18. Jänner 2006

Die Blase dicht halten

Unwillkürlicher Harnabgang ist zwar sehr häufig, jedoch immer noch tabuisiert. Außer Beckenbodentraining und Operation können auch Medikamente erfolgreich in der Therapie sein.

Stress- und Dranginkontinenz sind die zwei häufigsten Formen der Harninkontinenz. Erstere, auch Belastungsinkontinenz genannt, tritt bei Frauen sehr viel häufiger auf, als bei Männern. In einer anonymen Befragung von 800 Patientinnen und 40 niedergelassenen Gynäkologen gaben etwa 50 Prozent der Frauen an, Probleme mit unwillkürlichem Harnabgang zu haben. Neben Beckenbodentraining und Hilfsmittel wie Pessaren stehen traditionell Anticholinergika für Patienten mit Detrusorinstabilität und –hyperreflexie zur Verfügung. Trospiumchlorid (Spasmolyt® und Inkontan®) hat in vielen Studien gezeigt, dass die Häufigkeit der Miktionen sowie die Inkontinenz-Episoden gegenüber Placebo deutlich reduziert werden konnten. Darüber hinaus erhöhte Trospiumchlorid das Harnvolumen pro Miktion. Auch bei älteren Studienpopulationen traten keine zentralnervösen Nebenwirkungen auf. Tros­piumchlorid wurde ausgezeichnet vertragen und zeigte ein ausgewogenes Verhältnis von Wirksamkeit zu Verträglichkeit. Mehrere Doppelblindstudien wiesen eine mit Placebo vergleichbare Nebenwirkungsrate auf. Trospiumchlorid ist als einziges Anticholinergikum nicht liquorgängig. Zentralnervöse Nebenwirkungen wie Verwirrtheitszustände sind daher auch bei älteren Menschen nicht zu erwarten. Duloxetin (Yentreve®) ist ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, der inzwischen im Rahmen der Indikation Harninkontinez an über 2.000 Frauen weltweit in vielen Studien getestet wurde. Etwa 53 Prozent der Studienteilnehmerinnen sprachen auf die Therapie an und zeigten eine eindeutige Besserung ihrer Symptome.

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