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Urologie 18. Jänner 2006

Erektion nach Prostatektomie so früh wie möglich

Die erektile Dysfunktion stellt eine gefürchtete Komplikation nach radikaler Prostatektomie dar. Die Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen.

In einer kanadischen Studie mit 2.415 Männern nach radikaler Prostatektomie (RPE) wurde in einem Zeitrahmen von bis zu 8,5 Jahren in 75 Prozent der Fälle eine erektile Dysfunktion festgestellt. (Karakiewicz PJ et al, Europ Urol 2004). Die Zahl der Betroffenen dürfte also weitaus höher liegen, als bislang angenommen. Die Österreichischen Werte korrelieren mit diesem Ergebnis.

Rezente Untersuchung

In einer rezenten Untersuchung (Madersbacher S, W J Urol, 2005, in Druck) wurde an 19 urologischen Abteilungen in Österreich zwischen 1993 und 2002 bei 80 Prozent aller postoperativen Patienten eine erektile Dysfunktion beobachtet. Eine diesbezügliche Therapie erfolgte lediglich in 52 Prozent aller Fälle. Die erektile Dysfunktion beschreibt ein chronisches Krankheitsbild von mindestens sechsmonatiger Dauer, bei dem mindestens 70 Prozent der Versuche, einen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, erfolglos sind. „Trotz möglicher spontaner Besserung der Erektionsstörung im Verlaufe des ersten Jahres nach der Operation sollte die Therapie der erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie so früh wie möglich erfolgen“, forderte Prof. Dr. Günter Janetschek, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz, im Rahmen eines Satellitensymposiums anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der Bayrischen Urologenvereinigung.

Verschiedene Behandlungsoptionen

Für die sexuelle Rehabilitation nach radikaler Prostatektomie stehen, so Janetschek, mehrere Optionen zur Verfügung. Dabei spielen moderne PDE-5-Inhibitoren eine immer größere Rolle. Diese Therapieform setzt allerdings voraus, dass noch Nervenimpulse im Penis ankommen und nicht alle Nervenbahnen durch die Operation zerstört sind. Bei noch vorhandener Resterektion kann auch Apomorphin SL, ein zentraler Initiator der Erektion, zum Einsatz gelangen. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT) wird auch ohne Nervenreiz direkt eine Erektion ausgelöst: Das vermehrte Wiederkehren einer spontanen Erektion nach RPE konnte durch frühe intracavernöse Injektion von Alprostadil nach sechs Monaten gezeigt werden (Montorsi F, J Urol 1997). Janetschek: „Das moderne therapeutische Konzept ist, die Fibrosierung zu verhindern.“ Dazu muss das Corpus cavernosum durch nächtliche Tumeszenz und Erektionen so früh wie möglich und andauernd stimuliert werden. Die Behandlung sollte, so der Urologe, kurz nach der Operation erfolgen und so lange durchgeführt werden, bis es zu einer Spontanerektion kommt. Im direkten Vergleich zeigt sich bei den verschiedenen auf dem Markt befindlichen PDE-5 Hemmern Sildenafil, Vardenafil oder Tadalafil hinsichtlich Effizienz und Sicherheit kein Unterschied (Padma-Nathan N, Curr Urol Rep 2004). Obwohl mit den verfügbaren Methoden gute Ergebnisse erzielt werden können, liegen die damit verbundenen Probleme, laut Janetschek, in der mangelnden Compliance der Betroffenen sowie in der Kostenaufwändigkeit der Verfahren.

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