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Urologie 18. Jänner 2006

Wenn die kranke Blase die weibliche Lust trübt

Mangel an sexuellem Verlangen, Erregungsstörungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können mit dieser Blasenerkrankung assoziiert sein.

Dass das Vorliegen einer intersti-tiellen Zystitis (IC) bei den betroffenen Frauen auch sexuelle Funktionsstörungen zur Folge haben kann, beleuchtete Dr. Dara Lazar, Abteilung für Urologie, Krankenhaus Wien-Lainz, bei der diesjährigen Urologentagung in Linz. In der von ihr präsentierten Studie wurden Patientinnen mit IC auf mögliche sexuelle Funktionsstörungen und Belastungen im Vergleich zu gesunden Frauen untersucht. Mit Hilfe des 19 Items umfassenden Fragebogens „Index of Female Sexual Function“ (IFSF) und des 12-Item-Fragebogens zur Sexualbelastung „Female Stress Scale“ konnte die Befindlichkeit der Teilnehmerinnen vor Therapiebeginn beleuchtet werden. Insgesamt wurden 20 gesunde Frauen und 20 IC-Betroffene im Alter von 18 bis 65 Jahren untersucht. Einschlusskriterien für IC-Patientinnen waren ein positiver 0,4 mol Kaliumchlorid-Test (PST-Parsons-Test), eine Reduktion der Blasenkapazität um mindestens 30 Prozent unter dem modifizierten 0,2 mol Kaliumchlorid-Test, negative Harnkulturen und der Ausschluss von sexuell übertragenen Erkrankungen. Als häufigste Symptome zeigten sich Appetenzstörungen (Störung des sexuellen Verlangens – 65%), gefolgt von Erregungsstörungen (40%) und Dyspareunie (Unzufriedenheit mit dem Partner – 30%). 45 Prozent berichteten über starke Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Über Orgasmusstörungen wurde nur in einem Viertel der Fälle berichtet. Jede dritte Frau hatte in den vier bewerteten Wochen keine sexuellen Aktivitäten. Auch eine generelle sexuelle Unzufriedenheit wurde in der Untersuchung beobachtet. Rund die Hälfte der Betroffenen waren mit ihren Sexualpartnern unzufrieden, unglücklich und enttäuscht von ihrem Sexualleben; sie beschrieben Gefühle von Minderwertigkeit und Unzulänglichkeit. Sieben von zehn Frauen litten unter Schuldgefühlen.

Auch Selbstwertgefühl leidet

„Frauen mit IC haben im Vergleich zu gesunden Frauen eine höhere Prävalenz von sexuellen Funktionsstörungen“, resümiert Lazar. Appetenz- und Erregungsstörungen nehmen dabei einen herausragenden Platz ein, während Dyspareunie nur von einem Drittel der Frauen angegeben wurde. Neben den sexuellen Funktionsstörungen belastet IC bei der Hälfte der Betroffenen auch das Selbstwertgefühl sehr stark.

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