zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 18. Jänner 2006

Editorial: Der Urologe: Männer- und Frauenarzt?

Zumindest einer der beiden Begriffe ist bereits fix belegt. Wie Gespräche mit Frauen zeigen, suchen diese nur in seltenen Fällen einen Urologen auf. Kleinere urologische Probleme besprechen sie mit „ihrem“ Frauenarzt. Urologische Themen wie Harninkontinenz, die großteils Frauen betreffen, sind meist Thema gynäkologischer Veranstaltungen. Doch der Urologe ist nicht nur Männerarzt, betont Prof. Dr. Günter Janetschek, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie. Faktum ist: Männer stehen im Mittelpunkt urologischer Veranstaltungen. Wie ich meine, durchaus zu Recht, denn Studien und Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass das „starke Geschlecht“ einiges aufzuholen hat. Ein Arzt, der sich spezifisch mit den Beschwerden von Männern beschäftigt, scheint also kein Luxus zu sein. Diesem Umstand wurde in den letzten Jahren auch durch die Umbenennung des Facharztes für Urologie in „Urologie und Andrologie” Rechnung getragen. Entwicklungen lassen sich bereits erkennen. Auch in der Männerwelt scheint sich langsam mehr Gesundheitsbewusstsein zu verbreiten. Vorsorgeuntersuchungen werden verstärkt angenommen, und über das Thema Hormonersatztherapie für den Mann wird zumindest heftig diskutiert. Ein gutes Beispiel für ein funktionierendes Vorsorgemodell ist das landesweite PSA-Screening-Programm in Tirol. „Durch beeindruckende Zahlen konnte hier ein signifikanter Rückgang der Mortalitätsrate dargestellt werden“, kommentiert Janetschek das erfolgreiche Projekt. Als „himmelschreiende Ignoranz“ hingegen bezeichnet er den Umstand, dass seitens des Hauptverbandes Urologen scheinbar bewusst aus Diskussionen zum Thema Prostatakarzinom-Früherkennung herausgehalten werden. Die erektile Dysfunktion betreffend heißt das neue Schlagwort „Vitalsexuals“. Es beschreibt Männer, die aktiv im Leben stehen und für ein erfülltes Liebes- und Sexualleben durchaus bereit sind, sich zu artikulieren und auch Hilfe anzunehmen. Es sieht also aus, als gäbe es in Zukunft ausreichend Gründe, Fachspezialisten doch ernst zu nehmen.

Eine informative Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Dr. Myriam Hanna-Klinger, Medizinredakteurin, und das Redaktionsteam der ÄRZTE WOCHE

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben