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Urologie 9. November 2005

Neue Operation bei Stressinkontinenz

Eine deutlichen Steigerung in der Abklärung und auch in der operativen Behandlung von Frauen mit Harn- inkontinenz führte zu einer der TVT ähnlichen neuen Operationsmethode.

Insgesamt sind in Österreich etwa 850.000 Frauen von der Stressinkontinenz betroffen. In der Altersgruppe der 50- bis 79-jährigen Frauen leiden bereits 30 bis 40 Prozent an Harnverlust. In 35 bis 45 Prozent aller Fälle sprechen die Experten von einer reinen Stressinkontinenz, bei etwa 25 bis 35 Prozent von einer Dranginkontinenz; bei den restlichen Fällen handelt es sich um eine so genannte Mischinkontinenz. Mit der Einführung und Verbreitung der urodynamischen Messtechniken kann man die Ursachen der Inkontinenz physikalisch und biomechanisch besser verstehen. In neuerer Zeit gelang durch anatomisch-biologische Grundlagenforschung ein weiterer Erkenntnisgewinn, wobei die Stressharninkontinenz im Wesentlichen mit dem vorderen Kompartiment des weiblichen Beckens korreliert. Die Stressinkontinenz leitet sich vom englischen Wort „stress" ab. Übersetzt werden kann es mit Belastung, Kraft oder auch Gewicht. Stressinkontinenz hat also nichts mit psychischem oder beruflichem Stress zu tun. Bei bestimmten, rein körperlichen Anstrengungen kann es zu unwillkürlichem Harnverlust kommen. Ein plötzliches Niesen, Lachen oder ein kurzes Bücken verursachen intraabdominelle Drucksteigerungen, diese können schon ausreichen, um den Harnverlust auszulösen. Man muss wirklich kein großes Vorstellungsvermögen besitzen, um zu erahnen, wie massiv die Nerven durch ein solches Problem strapaziert werden! Zu den häufigsten Ursachen einer Stressinkontinenz gehören bei den Frauen eine Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur beispielsweise nach Geburten oder eine allgemeine Bindegewebsschwäche, die sich häufig erst im Alter bemerkbar macht, oder ein Hormonmangel jenseits der Wechseljahre.

Alternative Therapien

Ein Östrogenmangel bei Frauen in den Wechseljahren kann eine Stressinkontinenz begünstigen. Mit einer Östrogensubstitution, in Form von Scheidenzäpfchen oder -creme, kann dieser Mangel ausgeglichen werden. Die Durchblutung und das Wachstum der Harnröhrenschleimhaut wird so gefördert. Die Folge ist ein verbesserter Verschluss der Blase durch die Harnröhre. Bewegungstherapie, Gymnastik und Bäderanwendungen gehören in die Gruppe der physikalischen Therapie. Sie wird vor alllem bei leichteren Formen der Stress- und Dranginkontinenz erfolgreich eingesetzt und erfordert besonders die aktive Mitarbeit des Betroffenen. Zur operativen Standardtherapie der Harninkontinenz bei Frauen gehörten während mehr als 50 Jahren die Kolposuspensionsverfahren. Mit der Einführung des Tension Free Vaginal Tape (TVT) kam es zu einem Paradigmenwechsel. Die spannungsfreien Schlingenverfahren stellten eine echte Innovation dar. Die Operationstechnik beruht auf dem Grundprinzip, mit Hilfe eines Tapes den tiefer getretenen urethralen Schließmuskelapparat zu stützen und damit verschlussfähiger zu machen.

Minimales Verletzungsrisiko

Eine Weiterentwicklung der TVT-Operation stellt die Transobturatorische Schlingenoperation (TOT) dar, welche von Prof. DDr. Hermann Enzelsberger, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im LKH Steyr, eingeführt wurde. Die TOT wird nun seit einem halben Jahr im LKH-Steyr erfolgreich durchgeführt. Das Monarc-Band (4-0 Polypropylene; Länge 35 cm mit Plastikhülle) ist so wie das TVT-Band speziell strukturiert. „Das Monarc-Band stützt die weibliche Harnröhre und verhindert so den ungewollten Harnverlust bei Belastung.“ so Enzelsberger. Das Band muss nicht eingenäht werden. Es haftet aufgrund seiner gitterförmigen Netz-Struktur wie ein Klettverschluss im Gewebe. Schon nach kurzer Zeit ist das Band vom Gewebe durchwachsen. Die gute Körperverträglichkeit des Materials ist ein weiterer wesentlicher Vorteil.
Beim Monarc subfaszialen Hängematten-Verfahren (TOT) wird eine neue innovative Methode angewandt, die die Anatomie der gesunden Patientin imitiert. Die Rationale für den transobturatorischen Zugang (TOT) besteht im Gegensatz zu der TVT-Operation in der Vermeidung des retropubischen Bereiches bei der Schlingenapplikation, wodurch das Risiko einer Verletzung der Blase, des Darmes oder größerer Blutgefäße stark minimiert ist. Narben im retropubischen Raum werden vermieden und die nötigen Hauteinschnitte sind sehr klein und diskret platziert. Zudem unterstützt das Monarc-Band durch die laterale Fixierung den normalen pubourethralen Support des Beckenbodens. Der Eingriff kann sowohl in Spinalanästhesie als auch in lokaler Anästhesie durchgeführt werden und zeichnet sich durch eine kurze Eingriffszeit von etwa fünfzehn bis 20 Minuten aus. Die klinische Erfolgsrate zeigt keinen Unterschied zum TVT-Verfahren beziehungsweise zur Kolposuspension nach Burch. Durch die Verwendung dieses neuen Operationsverfahrens kann die weibliche Harninkontinenz mit großer Effektivität und kurzem Spitalsaufenthalt behandelt werden.

Für weitere Informationen:
Prim. Prof. DDr. Hermann Enzelsberger;
Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Schwerpunktkrankenhaus Steyr; Tel.: 07252/880-1250
E-mail.:

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