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Urologie 27. September 2016

Strahlentherapie als Alternative zur Radikaloperation. Blasenkrebs schonender behandeln

Blasenkrebs schonender behandeln  

Eine Strahlentherapie ist bei Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkrebs eine Alternative zur kompletten operativen Entfernung der Harnblase. Dadurch bleiben Patienten die Folgen einer Radikaloperation wie beispielsweise ein künstlicher Harnausgang erspart. Eine organerhaltende Operation in Kombination  mit einer Radiochemotherapie wird jetzt auch von der führenden amerikanischen Krebsgesellschaft (ASCO)  empfohlen, die damit einer Leitlinie europäischer Urologen folgt.

Der  Blasenkrebs  ist  nach  dem   Prostatakrebs  der  zweithäufigste  bös- artige  Tumor  im  urologischen  Fachbereich.  Bei  drei  Vierteln  der  Patienten beschränkt sich der Tumor auf die  Schleimhaut.  Diese  Frühfälle  haben   gute  Heilungsaussichten,  denn  diese  Tumoren  können  fast  immer  durch   eine  Operation  über  die  Harnröhre,   eine transurethrale Resektion, entfernt  werden.  Ist  der  Tumor  größer  und  bereits in die Blasenwand eingedrungen,  ist  die  gängige  Behandlung  hingegen   wesentlich invasiver: In der Regel entfernen die Ärzte die gesamte Blase, was  die Lebensqualität der Patienten deutlich  beeinträchtigt  –  denn  es  müssen   dann  entweder  eine  Ersatzblase  oder   ein künstlicher Harnausgang angelegt  werden.  „Blasenkrebs  gehört  zu  den  strahlenempfindlichen  Tumoren,  sodass   ein  Verzicht  auf  eine  Radikaloperation   möglich ist“, sagt Prof. Dr. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie  an der Universität Kiel und Mitglied im  Vorstand  der  Deutschen  Gesellschaft   für Radioonkologie.  

Gleich gute Ergebnisse  bei Organerhaltung

Organerhaltende  Operationen  sind   bei  anderen  Krebserkrankungen  wie   etwa  bei  Brustkrebs,  Kehlkopfkrebs   oder Prostatakrebs seit Längerem üblich. Die organerhaltende Behandlung  in Kombination mit Bestrahlung kann  auch  beim  Blasenkrebs  gleich  gute   Ergebnisse  erzielen  wie  die  radikale   Operation, stellt Dunst fest: „Zwar sind  beide Verfahren bisher nicht in randomisierten  Studien  direkt  miteinander  verglichen  worden.  Es  gibt  aber  keinen  Hinweis  darauf,  dass  die  Radikaloperation besser sein könnte.“ Um die  Strahlenwirkung  bei  großen  Tumoren   zu  verbessern,  wird  die  Behandlung   mit  einer  schwachen  Chemotherapie   kombiniert.  Dazu  wird  meist  am  Beginn und am Ende der Bestrahlung für  einige Tage ein Medikament per Infusion verabreicht. „Durch diese Behandlung“, so Dunst, „kann auf eine Radikaloperation verzichtet werden.“ Die  kürzlich  von  der  American  Society of Clinical Oncology (ASCO) übernommenen  Empfehlungen  der  Eu- ropean  Association  of  Urology  [ 1 ,  2 ]  heben ausdrücklich die organerhaltende Behandlung als eine wichtige Möglichkeit  hervor,  über  die  Patienten  als   Alternative  zur  Radikaloperation  mit   Blasenverlust  informiert  werden  sollten,  berichtet  Prof.  Dr.  Frederik  Wenz,   Direktor der Klinik für Strahlentherapie  und  Radioonkologie  am  Universitätsklinikum  Mannheim.  Denn,  so  Wenz:   „Durch  die  Kombination  von  organerhaltender  Operation  plus  Radiochemotherapie  können  drei  von  vier  Patienten ihre eigene Blase mit normaler  Blasenfunktion behalten.“  

Literatur   

1.  Leitlinie der American Society of Clinical  Oncology:  http://bit.ly/1qO6D9T   

2.  Leitlinie der European Association of Urology:  http://bit.ly/1LTXCEv Quelle:  Presseaussendung  Deutsche Gesellschaft  für Radioonkologie  e.   V. – DEGRO

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