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Urologie 5. April 2006

Kompletter Penisersatz aus der Petrischale?

Nachdem ein partieller Penisersatz mit Hilfe von Tissue engineering hergestelltem Gewebe bei Kaninchen bereits gelungen war, sind Forscher aus Boston einen weiteren Schritt vorangekommen: Im Tierversuch ließen sie abgetrennte Schwellkörpernerven mit Hilfe des gezüchteten Gewebes wieder wachsen.

Die Arbeit der Wissenschaftler vom Children´s Hospital Boston, USA, gibt insbesondere den Männern Anlass zur Hoffnung, die eine schwere erektile Dysfunktion haben - beispielsweise auf Grund von Verletzungen, Operationen, Karzinomen oder angeborenen Fehlbildungen am Penis.
Die auf einem Kongress der American Urological Association Ende April 2003 in Chicago vorgestellten Ergebnisse bieten möglicherweise eine Basis für zwei wichtige Behandlungsoptionen: Zum einen den Ersatz eines kompletten Penis und zum anderen die Regeneration der innervierenden Nerven.
Den amerikanischen Kollegen war es zunächst gelungen, durch Tissue engineering im Labor Penisgewebe herzustellen. Bei Kaninchen konnte mit diesem Gewebe ein durch Operation teilweise entfernter Penis wieder erfolgreich rekonstruiert werden.
In der jetzt vorgestellten Studie haben sie bei 90 Ratten überprüft, ob sich das Gewebe auch durch Nerven innervieren lässt.
Sie durchtrennten bei den Ratten chirurgisch die Schwellkörpernerven und teilten die Tiere in drei Gruppen auf: Eine Gruppe wurde nicht behandelt, bei der zweiten Gruppe erfolgte an der Stelle des Eingriffs die Implantation des eigenen Nervengewebes. Bei der dritten Gruppe setzten die Autoren künstlich hergestelltes Penisgewebe aus Kollagen ein, das den Bereich kanalförmig aussparte, in den die Nerven einwachsen sollten.
Nach drei Monaten Beobachtungszeit hatte bei diesen Ratten tatsächlich eine Regeneration der Nerven und eine Infiltration des "Hüllgewebes" stattgefunden. Das Ausmaß der Nervenregeneration war vergleichbar mit dem Ergebnis der Nervenimplantation. Bei den nicht behandelten Ratten hingegen regenerierten sich die durchtrennten Nerven nicht.
Wie Koautor Dr. Anthony Atala ausführte, besteht das Ziel der Arbeitsgruppe darin, einen kompletten Penis mit funktionierenden Nerven im Labor herzustellen.

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