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Urologie 5. April 2006

Beschneidung schützt nicht vor HIV-Infektion

Wie ein aktuelles Review der Cochrane-Datenbank zeigt, kann zum Thema
"Beschneidung und HIV-Risiko" derzeit nur auf Untersuchungen zurückgegriffen werden, die eine eingeschränkte Aussagekraft haben.

Insgesamt wurde dieses Thema bisher in 34 relevanten Studien behandelt, davon wurden 18 Untersuchungen bei Männern mit einem generell erhöhten Ansteckungsrisiko durchgeführt.
In beiden Gruppen - Männer mit normalem und Männer mit erhöhtem Risiko - wurden Hinweise darauf gefunden, dass die Beschneidung tatsächlich die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung senkt.
Eine Untersuchung, in die mehr als 5.500 Männer mit normalem Ausgangsrisiko einbezogen wurden, lieferte ein statistisch signifikantes Ergebnis zu Gunsten der Beschneidung. Weitere Arbeiten bei dieser Gruppe ergaben zum Teil widersprüchliche Resultate. Etwas stärker und eindeutiger fallen die Ergebnisse der verschiedenen Studien bei Hochrisiko-Männern aus.
Dennoch warnen die Autoren der Übersichtsarbeit davor, diese Ergebnisse als ausreichende Grundlage für allgemeine Empfehlungen zur Beschneidung als Maßnahme der AIDS-Prophylaxe bei Männern heranzuziehen.
Möglicherweise werden aber in Kürze bereits bessere Entscheidungshilfen vorliegen. So laufen derzeit gleich drei Studien zu diesem Thema, die unter Einbeziehung von Kontrollgruppen durchgeführt werden und entsprechend aussagekräftiger sind.
Botschaft für die Patienten: Das Ansteckungsrisiko bei ungeschütztem Sex ist für beschnittene Männer möglicherweise geringer als jenes ihrer unbeschnittenen Geschlechtsgenossen, aber es ist dennoch gegeben. Die Beschneidung kann definitiv kein Kondom ersetzen!

Praxisradar

Male circumcision for prevention of heterosexual acquisition of HIV in men (Cochrane Review), Siegfried N, Muller M, Volmink J, Deeks J, Egger M, Low N, Weiss H, Walker S, Williamson P. In: The Cochrane Library, Issue 3, 2003. Oxford: Update Software.

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