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Urologie 5. April 2006

Häufiges "DEC-Syndrom" bei älteren Männern

Depression, KHK und erektile Dysfunktion treten bei älteren Männern so häufig in verschiedenen Kombinationen auf, dass es gerechtfertigt ist, von einem eigenständigen Syndrom zu sprechen. So lautet die These von zwei US-amerikanischen Geriatern. Für die diagnostische Praxis haben sie einige Empfehlungen erarbeitet.

Bei älteren Männern, die sich mit Symptomen einer Depression, einer KHK oder einer erektilen Dysfunktion an ihren Arzt wenden, sollten möglichst alle drei Erkrankungen abgeklärt werden. Darauf weisen zwei Wissenschaftler der University of Texas hin. Die beiden Geriater halten es wegen der Häufigkeit, mit der diese Krankheitsbilder bei Senioren in Kombination auftreten, für gerechtfertigt, von einem DEC-Syndrom (Depression, Erectile Dysfunction, Coronary Heart Disease) zu sprechen.

Spezialisten einbeziehen

Nach Ansicht von Robert S. Tan und Shou-Jin Pu könnte die gesundheitliche Situation älterer Männer verbessert werden, wenn Mediziner sich dieses Zusammenhangs bewusster wären. "Multifaktorielle Probleme verlangen multifaktorielle Bemühungen", betonen die Experten. Die häufigere Verwendung des Akronyms DEC soll Fachärzte daran erinnern, andere Spezialisten oder einen Allgemeinmediziner in die Diagnostik von Patienten mit entsprechenden Beschwerden einzubeziehen.

Empfehlungen für die tägliche Praxis

Für die tägliche Praxis haben die Autoren folgende Empfehlungen erarbeitet:

  • Ältere Männer mit KHK sollten einem Screening auf Symptome einer Depression unterzogen werden. Dazu stünden einfache und schnell durchführbare Instrumente zur Verfügung.

  • Ältere Männer mit einer Depression oder einer erektilen Dysfunktion sollten grundsätzlich auf Risikofaktoren für eine KHK untersucht werden. Ein EKG gehöre ebenfalls zur Basisdiagnostik, da einige Antidepressiva entsprechende Nebenwirkungen aufweisen können.

  • Da eine Depression im fortgeschrittenen Alter auch mit einem Hypogonadismus verbunden sein kann, sollte bei den Betroffenen der Testosteron-Spiegel bestimmt werden. Insbesondere beim gleichzeitigen Vorliegen von chronischer Müdigkeit (Fatigue), Libidoverlust und Gedächtnisproblemen sei diese Maßnahme empfehlenswert.

  • Ältere Männer, die sich wegen einer erektilen Dysfunktion an ihren Arzt wenden, sollten nach Symptomen einer Depression gefragt werden. Eine genaue Medikamentenanamnese sei in diesem Zusammenhang unabdingbar, da die Einnahme von Antidepressiva unter anderem zu einem Libidoverlust führen könne.

Fazit: Dass eine Depression mit einem Libidoverlust einhergehen kann, ist keine sensationelle Neuigkeit. Auch das gemeinsame Auftreten von koronarer Herzkrankheit und erektiler Dysfunktion ist nicht überraschend.
Ähnlich steht es um die anderen Konstellationen des "DEC-Syndroms". Der Wert dieser Arbeit liegt vor allem in der Mahnung, die bekannten Zusammenhänge in der Praxis zu beachten.

Tan RS et al.: The Interlinked Depression, Erectile Dysfunction, and Coronary Heart Disease Syndrome in Older Men: A Triad Often Underdiagnosed. Journal of Gender-Specific Medicine. Vol. 6; 31-6
Journal of Gender-Specific Medicine 2003

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