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Urologie 5. April 2006

Prostatakarzinom: Richtige Diät schützt

Mit Sorge blickt der alternde Mann auf seine Prostata. Und dies zu Recht, denn das Prostatakarzinom ist nach wie vor bei den männlichen Krebstodesfällen führend und bleibt weiterhin auf dem Vormarsch. Die (diätetische) Chemoprävention könnte zumindest diese Entwicklung etwas verbessern. Allerdings kann man(n) gar nicht früh genug damit beginnen.

Wie hoch der Handlungsbedarf ist, zeigen jene Statistiken, welche die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei Männern in der fünften Lebensdekade in unseren geografischen Breiten bei fast 10 Prozent angeben.
Prof. Dr. Karl Pummer von der Universitätsklinik für Urologie in Graz wies darauf hin, dass die Bekämpfung von Neoplasien naturgemäß auf drei Säulen fuße - der Früherkennung (gemeinsam mit kurativer Behandlung), Therapieverbesserungen bei den fortgeschrittenen Stadien und der Hemmung des Krankheitsausbruches. Für Letztere empfahl Pummer bei der der gemeinsamen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der Bayerischen Urologenvereinigung in Wien die Chemoprävention.
Das erklärte Ziel der Chemoprävention ist es, die Karzinogenese und ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung mithilfe wirksamer Substanzen (nicht notwendigerweise Medikamente!) zu hemmen beziehungsweise umzukehren. Dies ist allerdings nur bis zum Eintreten eines invasiven Wachstums möglich.

Prostatakarzinom ist gut geeignet für Chemoprävention

Viele dieser Substanzen (zum Beispiel Antiöstrogene, Antiandrogene, Aromataseinhibitoren, Retinoide, Selen etc.) greifen in die Signaltransduktion beziehungsweise in hormonelle Prozesse ein.
Für Pummer ist der Einsatz der Methode gerechtfertigt, so lange Effizienz, Verträglichkeit und vertretbare Kosten gewährleistet sind. Pummer: "Das Prostatakarzinom bietet sich ganz besonders für diese Form der Prävention an. Und zwar aufgrund seiner biologischen Eigenschaften. Dazu zählen vor allem die hohe Prävalenz, die hormonelle Abhängigkeit, bereits bekannte Risikofaktoren und die detaillierten Krebsvorstufendefinitionen."

Die Umwelt spielt mit

Ein Blick auf die Inzidenz-Weltkarte des Prostatakarzinoms lässt vermeintliche ethnografische Unterschiede erkennen. So sind die Inzidenzen in den USA und Australien sehr hoch, während mitteleuropäische Männer nur durchschnittlich betroffen sind. Trotzdem findet sich eine signifikant niedrigere Inzidenz und Mortalität nicht nur in Japan, denn auch sich vegetarisch ernährende Männer weisen eine deutlich mäßigere Durchseuchung auf, obwohl die Autopsiekrebsrate sich mit Europäern und US-Amerikanern fast deckungsgleich zeigt.
Wie generationsübergreifende Studien offenbaren, sind die Unterschiede in der Neuerkrankungsrate daher nicht ethnischen Ursprungs, sondern werden umweltabhängig bestimmt. So weisen die Nachkommen emigrierter Asiaten in den USA schon in der darauf folgenden Generation dieselbe Inzidenz wie ihre einheimischen Geschlechtsgenossen auf.

Phytoöstrogene und mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Pummer und andere Experten orten daher auch ernährungsbedingte Gründe. So berichten wissenschaftliche Forschungen von positiven Einflüssen bestimmter Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Phytoöstrogenen auf die Inzidenz des Prostata-Karzinoms: pflanzliche Substanzen mit östrogenartiger Wirkung - Lignane, Isoflavone und Flavone, wie sie in Getreide, Leinsamen und Gemüse vorkommen, Vitamin D und E sowie Speisen mit einem niedrigeren Anteil tierischer Fette.
Die Schutzwirkung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf das Herzkreislaufsystem ist hinlänglich bekannt, doch nun gibt es auch experimentelle und epidemiologische Hinweise für einen Benefit beim Prostata-Ca.
Wissenschaftliche Prüfungen anderer Substanzen sind noch im Gange. "Dies gibt uns eine interessante und langfristige Perspektive in Hinblick auf eine diätetische Chemoprävention", so Pummer.
Diese sollte jedoch schon sehr früh gestartet werden, idealerweise bereits in der Kindheit, und ist laut Experten bis zur vierten Lebensdekade sinnvoll.

Früher Beginn der Chemoprävention wichtig

Je älter der Mann wird, umso schwerer wiegen jedoch genetische Faktoren und umso weniger kann eine bewusste Ernährung helfen. Dann kommt der Zeitpunkt, in dem eine spezielle Chemoprävention immer wichtiger wird.
Zum richtigen Rüstzeug dafür könnten sich die 5-Alpha-Reduktasehemmer entwickeln, sie hemmen kompetitiv die enzymatische Konversion von Testosteron in den aktiven Metaboliten Dihydrotestosteron.
Problematisch dabei sind allerdings ihre langen Behandlungs- und Beobachtungszeiten, die sich eigentlich nur bei Hochrisikopatienten auszahlen.
Trotzdem sieht Pummer in der Chemoprävention eine große Chance. Doch dazu braucht es seiner Ansicht nach noch weitere wissenschaftliche Forschungsarbeit, um die richtigen Zielgruppen und Marker zu erfassen.

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