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Urologie 4. April 2006

Prostata: Small is beautiful

Im Alter scheint kaum ein Mann daran vorbeizukommen: BPH (Benigne Prostatahyperplasie) und LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms). Statistische Erhebungen zeigen, dass jeder zweite Mann im Alter über 60 Jahre und praktisch alle 80-Jährigen an einer BPH leiden. Mittlerweile gibt es mehrere Therapieformen zur Auswahl, vom Watchful Waiting über verschiedene Medikamentenoptionen bis hin zur Operation.

Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der epithelialen und fibromuskulären Anteile der Prostata, die ab Mitte der dritten Lebensdekade langsam zu wachsen beginnen. Bei Patienten mit BPH treten im Laufe dieser Entwicklung Beschwerden im unteren Harntrakt (LUTS – Lower Urinary Tract Symptoms) auf. Zuguterletzt kann die Benigne Prostataobstruktion (BPO) mit einer peinigenden Blasenauslassobstruktion und einschneidenden Einbußen in der Lebensqualität stehen. Unbehandelt verläuft die BPH in fast jedem Fall progredient. Prof. Dr. Franklin C. Loewe von der Columbia Universität, New York City skizzierte in seinem Vortrag anlässlich der 19. Jahrestagung der Europäischen Urologischen Gesellschaft in Wien eine multifaktorielle Genese, bei der das Fortschreiten der LUTS/BHP stark individuell gefärbt ist: „Es ist daher von entscheidender Wichtigkeit, dass wir die Krankheit besser verstehen und den Krankheitsfortschritt spezifisch therapieren. So wäre es in ökologischer Hinsicht ein grober Fehler, jedem Patienten eine Kombinationstherapie zukommen zu lassen. Daher empfiehlt sich bei Männern mit milder Symptomatik das so genannte Watchful Waiting – kontrolliertes Beobachten."

Loewe zeigte die Ergebnisse der Olmsted County Community Study, an der 2.115 Männer im Alter zwischen 40 und 79 Jahren teilnahmen. Mit zunehmendem Alter der Probanden verringerte sich der maximale Harnfluss und das Prostatavolumen nahm zu. Parallel dazu stiegen die Harnretention und das Risiko schwerer Komplikationen. Daher setzen Urologen immer mehr auf Präparate, die nicht nur symptomatisch wirken, sondern zusätzlich die vergrößerte Prostata langfristig schrumpfen lassen. Dazu gehören die 5-alpha-Reduktase-Hemmer (in Österreich Dutasterid und Finasterid). Prof. Dr. Claus G. Roehrborn, University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas, erklärte dazu auf demselben Meeting, dass eine Behandlung mit Dutasterid das Prostatavolumen innerhalb von vier Jahren um 27 Prozent kleiner werden lässt: „Der 5-alpha-Reduktase-Hemmer lässt die Prostata schrumpfen, lindert die BPH-Symptome und reduziert das Risiko sowohl eines akuten Harnverhaltes als auch eines chirurgischen Eingriffes deutlich." Belegt worden sei dies in einer großen Langzeitstudie mit über 4.300 Männer mit BPH, die zunächst zwei Jahre lang täglich mit 0,5 mg Dutasterid oder mit Placebo behandelt worden waren.

Anschließend erhielten alle Studienteilnehmer den 5-alpha-Reduktase-Hemmer für weitere zwei Jahre. Eine spürbare Symptomreduktion trat bereits nach etwa einmonatiger Einnahme ein.

Ergebnisse der MTOPS-Studie

Besonders interessant sind laut Loewe und Roehrborn auch die Ergebnisse der hochaktuellen MTOPS-Studie (Medical Therapy Of Prostatic Symptoms). In der doppelblinden Untersuchung nahmen die 3.047 Teilnehmer über 4,5 Jahre lang entweder 4 mg oder 8 mg Doxazosin, 5 mg Finasterid, eine Kombination aus den beiden Substanzen oder ein Plazebo. Die Progression der Prostatahyperplasie wurde mit der Kombination um 67 Prozent am deutlichsten gesenkt. Die Monotherapie mit Doxazosin bewirkte eine Risikoreduktion für die Progression von 39 Prozent gegenüber dem Plazebo. Finasterid allein war mit 34 Prozent Risikoreduktion etwas weniger wirksam. Roehrborn zum Ergebnis: „Die Kombinationstherapie des alpha-1-Blockers mit dem 5-alpha-Reduktase-Hemmer kann für Patienten mit hohem Risiko bezüglich einer BPH-Progression empfohlen werden, denn noch ist kein Kombinationspräparat in Sicht.“

Dr. Richard Berges von der Kölner PAN-Klinik schlug in dieselbe Kerbe: „Für die richtige Therapiewahl müssen wir das Risikoprofil der Patienten berücksichtigen. Ist das Risiko niedrig, so kann neben dem Watchful Waiting auch nur ein alpha-1-Blocker zur Anwendung kommen. Bei Männern mit erhöhten PSA-Werten und stark vergrößerter Prostata empfiehlt sich die Kombinationstherapie oder – als letzter Ausweg – eine Operation.“

Komorbidität und Nebenwirkungen bestimmen Präparat

Welche alpha-1-Blocker zum Einsatz kommen, ist laut Prof. Dr. Bob Djavan von der Urologischen Abteilung am Wiener AKH und Vizedirektor vom Institut für klinisch-experimentelle Erforschung der Prostataerkrankungen auch von der Komorbidität des Patienten und auftretenden Nebenwirkungen abhängig. Denn die Rezeptorblocker zeigen alle eine ähnlich gute Wirkung, Unterschiede gibt es nur bezüglich Wirkeintritt und Verträglichkeit.

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