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Urologie 4. April 2006

Vardenafil hebt Potenz und Stimmung

Bei depressiven Männern mit erektiler Dysfunktion zeigt eine adäquate Behandlung positive Auswirkungen auf deren Selbstwertgefühl und die Lebensqualität.

Anlässlich des Europäischen Urologenkongresses (EAU) in Wien stellte Prof. Raymond C. Rosen, New Jersey, USA, das Ergebnis der DRIVER Studie (Depression Related Improvement with Vardenafil for Erectile Response) vor. „Depressionen und Erektile Dysfunktion (ED) kommen oft gleichzeitig vor“, so der amerikanische Psychiater. „25 Prozent der Männer mit ED leiden auch unter Depressionen, und 26 Prozent der Männer mit Depressionen haben eine ED.“ Nur 37 Prozent der Männer mit ED und Depression suchen eine Behandlungsmöglichkeit ihrer erektilen Dysfunktion.
Aufgrund dieser häufig auftretenden Komorbidität wurde die DRIVER Studie veranlasst. In die Studie aufgenommen waren Männer mit seit zumindest sechs Monaten bestehender ED und milder Depression (MMD: Major depressive disorder). 280 Männer insgesamt wurden zwölf Wochen hindurch mit Vardenafil (Levitra®) versus Placebo behandelt. Die Vardenafil-Dosis konnte je nach Wirkung und Verträglichkeit mit zehn, zwanzig oder auch nur fünf Milligramm, je nach Bedarf und Vertäglichkeit, nach oben oder unten angepasst werden. Schwer depressive Männer waren aus ethischen Gründen aus der Studie ausgeschlossen worden.

„Wir konnten eine deutliche Verbesserung der Erektionsfähigkeit registrieren", sagte Rosen. „Über 80 Prozent der Männer hatten mit dem Verumpräparat stärkere Erektionen, auf Placebogabe sprachen lediglich 30 Prozent der Studienteilnehmer an. Der IIEF-Wert, International Index of Erectile Function, besserte sich dementsprechend deutlich mit der Einnahme des Potenzmittels.“ Zudem kam es zu signifikanten Verbesserungen auf der Hamilton-Depressions-Skala (HAM-D17), obwohl keiner der Patienten bezüglich der Depression medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung erhalten hatte. „Zusätzlich ist bei keinem der Patienten eine Verschlechterung der depressiven Symptomatik aufgetreten“, berichtete Rosen. „Die adäquate Behandlung von Männern, die unter ED und zugleich unbehandelter Depression leiden, habe folglich überaus positive Auswirkungen auf deren Selbstwertgefühl und die Lebensqualität.“

Daten der MALES-Studie

Interessante Daten zu diesem Thema liefert auch die MALES (Men`s Attitudes on Life Events and Sexuality)-Studie, eine weltweite Untersuchung zu Prävalenz, Therapie und Komorbidität von Erektiler Dysfunktion, sowie Gewohnheiten und Verhalten betroffener Männer. An dieser Studie nahmen in fünf europäischen Staaten sowie USA, Mexiko und Brasilien 27.839 Männer zwischen dem zwanzigsten und fünfundsiebzigsten Lebensjahr teil. MALES konnte zeigen, dass einer von sechs Männern (das entspricht 16 Prozent) in diesem Lebensabschnitt zumindest einmal unter ED litt. Die geografische Varianz der ED war beträchtlich; sind es in den USA 22, so sind in Spanien hingegen nur zehn Prozent der Männer betroffen. Ortsunabhängig hingegen ist die Tatsache, dass die Häufigkeit der ED deutlich mit fortschreitendem Alter korreliert.

Auch zur Frage des Umganges mit ED liefert die MALES-Studie interessante Daten:

  • 58 Prozent kontaktierten einen Arzt für Allgemeinmedizin, um über ihre erektile Dysfunktion zu sprechen.
  • 42 Prozent sprachen ihren „Praktischen Arzt“ gezielt auf Sildenafil an, was zum Zeitpunkt der Studie der einzig verfügbare PDE-5 Inhibitor war.
  • 34 Prozent gaben an, bereits einmal einen PDE-5 Inhibitor probiert zu haben.
  • 29 Prozent hatten bereits Sildenafil verordnet (Rezept) bekommen
  • 25 Prozent lösten das Rezept ein
  • 22 Prozent gaben an, Sildenafil öfter als einmal eingenommen zu haben
  • NUR 16 Prozent verwenden regelmäßig PDE-5 Inhibitoren

Mit dem Schweregrad der ED konnte auch der Zusammenhang zur Gesprächsbereitschaft mit dem Arzt sowie die gezielte Frage nach PDE-5 Inhibitoren beziehungsweise die Selbstmedikation gefunden werden.

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