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Urologie 4. April 2006

Adam altert anders

Warum altert der Mann scheinbar schneller als die Frau? Urologen versuchen dieser Frage auf die Spur zu kommen und einigen sich vor allem auf einen gemeinsamen Nenner: In erster Linie muss sich das männliche Gesundheitsbewusstsein ändern.

Der Mensch war immer schon auf der Suche nach dem Jungbrunnen, der ihm ewiges Leben schenkt. Gegenwärtig wird diese Jagd nach der Jugend Anti-Aging genannt und selbst von seriösen Wissenschaften wie der Mikrobiologie und Medizin betrieben. Prof. Dr. Heinz Pflüger von der Urologie Lainz und vom Ludwig Boltzmann Institut für Urologie und Andrologie führt uns vor Augen, dass unser Alter von zwei wesentlichen Hauptfaktoren bestimmt wird. Die intrinsische Alterung können wir nicht beeinflussen – sie ist vom Genom abhängig und fällt mit geschätzten 35 Prozent ins Gewicht. Dem steht die extrinsische Alterung gegenüber. Darunter fallen sämtliche nachteilige Umwelteinflüsse, denen wir uns mehr oder weniger freiwillig aussetzen – sie machen die restlichen 65 Prozent aus. „Doch mehr und mehr können wir diesen negativen Einflüssen unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse entgegensetzen. Vor 50 Jahren haben nur 50 Prozent der Menschen das 50. Lebensjahr erreicht. Jetzt liegt diese Zahl bei etwa 90 bis 95 Prozent!“, so Pflüger.

Männer sind das schwächere Geschlecht im Überlebenskampf

Die Hauptursachen sieht er nicht ausschließlich in den Verbesserungen auf dem Gebiet der Medizin: „Den größten Teil der dazu gewonnenen Jahre haben wir den Errungenschaften der Hygiene und der Immunprophylaxe zu verdanken. Epidemien, die früher einen großen Teil der Menschheit auslöschten, wie beispielsweise Ruhr, Cholera und Typhus sind unter normalen Umständen beherrschbar. Doch all diese Erkenntnisse wären ohne die flankierenden Fortschritte auf sozialpolitischer Ebene kaum so erfolgreich gewesen. Dazu zählen Bekämpfung der Armut und des Hungers, ebenso wie Forschungen auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaften. All diese Dinge brachten uns Voraussetzungen für ein besseres Leben und münden derzeit in einem tief gehenden Umbau unserer Alterspyramide.“„Interessant ist der genderspezifische Unterschied beim Altern“, stellt Pflüger fest. „Männer scheinen schon von Beginn an in fast allen Belangen unterlegen zu sein. Schon der intrauterine Kindstod dominiert bei männlichen Embryonen. Danach haben sie größere Chancen, intrapartiale Komplikationen zu erleiden, und selbst das SIDS – Sudden Infant Death Syndrom – trifft mehr Knaben als Mädchen.“

Dieses Ungleichgewicht setzt sich weiter fort, obwohl es dann in der Adoleszenz eher die exogenen Faktoren sind, die ins Gewicht fallen – so neigen Männern zum Beispiel eher zu Risikosportarten. Zusätzlich ist das Suchtverhalten beim männlichen Geschlecht ausgeprägter. So reduzieren Alkoholismus und Nikotinabusus die männliche Lebenserwartung um 12 Jahre beziehungsweise um sieben Jahre. Selbst psychische Probleme und Depressionen werden bei Männern selten erkannt. Diese Erkrankungen gelten als „unmännlich“. Teilweise wird noch mit Fragebögen gearbeitet, die eigentlich auf Frauen zugeschnitten waren. Die Folge: Die Suizidprophylaxe greift bei Männern besonders schlecht, fast 80 Prozent aller Selbstmorde werden von Männern begangen.

Gesundheitsmanagement muss verbessert werden

Warum Zivilisationserkrankungen ebenfalls Männer stärker betreffen, lässt sich nach der Meinung Pflügers in erster Linie durch das schlechte Gesundheitsmanagement erklären: Die erwachsene Frau geht durchschnittlich mit 16 Jahren das erste Mal zum Gynäkologen. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt der Besuch in regelmäßigen Abständen. Männer dieses Alters suchen den Arzt wesentlich seltener auf. Die erste wirkliche Untersuchung ohne vorliegende Erkrankung erfolgt bei der Stellung für das Bundesheer. Danach ist der körperlich gesunde Mann in einer Arztpraxis für einige Jahre kaum präsent. In der Regel ist es der erste Sportunfall, der ihn wieder zur Medizin hinführt. Prof. Dr. Claude Schulman, Vorstand der Urologischen Abteilung des Erasme Hospitals der Uniklinik Brüssel, stieß bei der diesjährigen Europäischen Jahrestagung der Urologen in Wien ins selbe Horn: „Frauen besuchen zu 150 Prozent häufiger den Arzt, was sich auf Morbidität, Mortalität und die Gesundheitskosten niederschlägt. Männer leben durchschnittlich etwa sieben bis acht Jahre kürzer. Es sollte daher die medizinische Herausforderung der nächsten Jahre sein das Gesundheitsbewusstsein der Männer zu stärken und dem der Frauen anzugleichen."

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