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Urologie 28. Dezember 2015

Harndrang wegen kalter Wohnung

Senioren, die nachts regelmäßig auf die Toilette müssen, könnten die Nykturie durch Heizen senken.

Wenn Senioren in kalten Wohnräumen leben, schlägt ihnen dies während der Nacht offenbar auf die Blase. Möglicherweise müsste man nur die Heizungen aufdrehen, um die Nykturieprävalenz zu senken, meinen die Autoren einer japanischen Studie.

Nykturie bei älteren Menschen ist ein altbekanntes Phänomen. Viele Senioren müssen in der Nacht mindestens zweimal raus. Dadurch wird allerdings nicht nur die wertvolle Nachtruhe gestört. Studien zufolge vergrößert sich mit den nächtlichen Toilettengängen auch die Gefahr von Stürzen und Frakturen und von Depressionen, und auch das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit sowie die Gesamtsterblichkeitsrate nehmen zu.

In epidemiologischen Studien hat sich gezeigt, dass Menschen eher im Winter als im Sommer über Nykturie berichten. Deshalb haben Keigo Saeki und Kollegen von der Nara Medical University School of Medicine in Nara, Japan, nun im Rahmen einer Querschnittstudie untersucht, ob Personen ab 60 Jahren nachts häufiger zur Toilette müssen, wenn die Wohnräume kalt sind.

Hierzu wurde über 48 Stunden die Temperatur in Wohn- und Schlafräumen von 1.065 Senioren im mittleren Alter von 71,9 Jahren gemessen und die Urinausscheidung per Urintagebuch bzw. durch nächtliches Urinsammeln dokumentiert. Fast jeder dritte Studienteilnehmer suchte in der Nacht mindestens zweimal die Toilette auf, und zwar unabhängig von den Jahreszeiten.

Nykturie durch Heizen senken

Tatsächlich fanden Saeki und Kollegen signifikante Zusammenhänge zwischen der Wohnraumtemperatur am Tag und der Häufigkeit der Toilettengänge in der Nacht: Eine Absenkung um 1 °C ging mit einer Odds Ratio (OR) für die Nykturie von 1,095 einher. Diese gesteigerte Häufigkeit nächtlicher Toilettenbesuche war unabhängig von der Außentemperatur bzw. der Jahreszeit sowie anderen Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, BMI, Alkoholkonsum und Rauchen.

Auch Komorbiditäten wie Diabetes oder eine renale Dysfunktion sowie bestimmte Medikamente wie Kalziumkanalblocker, Diuretika oder Schlafmittel, der sozioökonomische Status, der nächtliche Blutdruck, das Ausmaß der Tagesaktivität, die Schlafeffizienz, die Melatoninausscheidung und die nächtlich produzierte Urinmenge hatten keinen Einfluss auf die Signifikanz dieses Befundes. Der direkte Vergleich zwischen einer Gruppe mit durchschnittlich kälterer Raumtemperatur (13,2 °C ± 3,3 °C) und einer Gruppe mit wärmeren Innentemperaturen (18,6 °C ±2,4 °C) ergab ein signifikant häufigeres Auftreten von Nykturie bei denjenigen, die tagsüber in der Kälte lebten (adjustierte OR 1,488).

Als Grund für den vermehrten nächtlichen Harndrang vermuten Saeki und Kollegen eine kälteinduzierte Detrusorüberaktivität. Sie berechnen, dass eine Erhöhung der Innenraumtemperatur von 15,7 °C (Durchschnittsraumtemperatur der Probanden mit Nykturie) auf 18,8 °C die Nykturieprävalenz möglicherweise um 25 Prozent reduzieren könnte.

Raumklima in Arbeitsräumen

Das Raumklima ist ein Zusammenwirken von Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung und Wärmestrahlung im Arbeitsraum.

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz empfiehlt: Die Raumtemperatur soll während der kalten Jahreszeit im Zusammenhang mit der maximalen Luftgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Schwere der Arbeit folgende Werte nicht über bzw. unterschreiten:

• Raumtemperatur 19° bis 25° C, max. Luftgeschwindigkeit 0,10 m/s, geringe körperliche Belastung

• Raumtemperatur 18° bis 24° C, max. Luftgeschwindigkeit 0,20 m/s, normale körperliche Belastung

• Raumtemperatur mind. 12° C, max. Luftgeschwindigkeit 0,35 m/s, hohe körperliche Belastung

In der warmen Jahreszeit ist dafür zu sorgen, dass beim Vorhandensein einer Klima-, oder Lüftungsanlage die Lufttemperatur 25 °C nicht überschreitet oder sonstige Maßnahmen ausgeschöpft werden, um nach Möglichkeit eine Temperaturabsenkung zu erreichen.

Wird eine Klimaanlage verwendet, muss die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 70 Prozent liegen, sofern nicht produktionstechnische Gründe entgegenstehen. (www.arbeitsinspektion.gv.at/AI/ Arbeitsstaetten/Arbeitsraeume/ raum070.htm)

Originalpublikation: Saeki K et al. Indoor cold exposure and nocturia: a cross-sectional analysis of the HEIJO-KYO study. BJU Int 2015, online 23. September, www.springermedizin.de

Christine Starostzik , Ärzte Woche 48/2015

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