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Urologie 18. August 2015

Was tut die Prostata bei Insulinmangel?

Metabolisches Syndrom und urologische Krankheitsbilder. Es gibt Zusammenhänge.

Es gibt Anzeichen, die eine Verknüpfung von metabolischen Syndrom und urologischen Erkrankungen nahe legen. Schwedische Wissenschaftler gingen diesen Vermutungen auf den Grund und fanden nur vage Anhaltspunkte.

Professor Jan-Erik Damber von der schwedischen University of Gothenburg diskutierte am Jahreskongress der European Association of Urology (20.–24. März, Madrid) in der thematischen Sitzung „Male LUTS“ das Zusammenspiel zwischen Insulinresistenz, Adipositas und Dysfunktion der unteren Harnwege (LUTD). Die Insulinresistenz sei ein Teil des metabolischen Syndroms, das mit kardiovaskulären Erkrankungen und dem Diabetes mellitus Typ 2 einhergeht. Die prädisponierenden Faktoren für die Entwicklung des metabolischen Syndroms seien nicht vollkommen geklärt, so Damber, aber wahrscheinlich sind sowohl genetische Faktoren als auch der Lebensstil daran beteiligt.

Die Auswirkungen des metabolischen Syndroms sind vielfältig; in der Urologie ist die Erkrankung nach derzeitigen Vermutungen mit benigner Prostatahyperplasie (BPH), Prostatakarzinom, Nierensteinen, Hypogonadismus, überaktiver Blase (OAB) und erektiler Dysfunktion (ED) assoziiert. Damber und Kollegen gingen in einer Untersuchung von 950 Männern im Alter von 69 bis 81 Jahren der Frage nach, ob das metabolische Syndrom auch mit benigner Prostatavergrößerung (BPE) und Symptomen des unteren Harntraktes (LUTS) verknüpft sein könnte.

In multivariaten Analysen zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Serumserotonin und LUTS sowie Harninkontinenz (UI) und ein positiver Effekt von Nüchternglukose, Adiponektin und dem Prostatavolumen auf LUTS. Univariate Analysen belegten eine negative Korrelation zwischen freiem Testosteron im Serum und LUTS. Im Ergebnis wurden insgesamt nur drei von 16 etablierten Aspekten des klassischen metabolische Syndrom als Risikofaktoren für LUTS identifiziert: ein erhöhter Nüchternglukosespiegel, reduziertes freies Testosteron und ein vergrößertes Prostatavolumen.

„Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel erwies sich in unserer Studie als stärkerer unabhängiger Risikofaktor für BPH als das Insulin“, erklärte der schwedische Wissenschaftler. Die Hypothese, dass LUTS ein Aspekt des klassischen metabolischen Syndroms sei, werde von der Göteborger Studie nicht bestätigt. Betrachte man das Prostatavolumen, so leiste die gutartige Prostatavergrößerung (BPE) einen Beitrag zu LUTS, wogegen Vitamin D umgekehrt proportional mit dem Prostatavolumen korreliert sei.

Es ließe sich aus den Studienergebnissen zudem die Hypothese generieren, dass die Depression via reduziertem Serumserotoninspiegel möglicherweise ein Teil der Pathophysiologie von LUTS und UI sei, so Damber.

springermedizin.de, Ärzte Woche 29/34/2015

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