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Urologie 22. Juli 2015

Vorbote für Krebs

Analyse bekräftigt Verbindung zwischen Zeugungsunfähigkeit und Hodenkrebs.

Infertile Männer haben offenbar ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken, wie eine neue Studie zeigt. Auch vasektomierte Männer zeigten gegenüber der Kontrollgruppe ein erhöhtes Risiko für eine onkologische Erkrankung. Vor allem eine bestimmte Krebsart sticht hervor.

Zwischen männlicher Infertilität und Krebserkrankungen wird einer neuen Studie zufolge ein Zusammenhang vermutet. Etwa zehn Prozent des männlichen Genoms hängen mit der Fortpflanzung zusammen. Es erstaunt daher wenig, wenn Probleme in der reproduktiven Gesundheit mit zusätzlichen Erkrankungen verknüpft sind. So wurde in mehreren Studien bei subfertilen Männern eine erhöhte Rate von Hodenkrebs gezeigt. Bei Männern mit Azoospermie war sogar das Krebsrisiko insgesamt erhöht (The Journal of Urology 2014).

Krebsrate um 50 Prozent erhöht

Nach US-amerikanischen Daten könnte dies auch für Männer mit weniger schweren Formen der Infertilität zutreffen. Gegenüber einer Kontrollgruppe von Männern, bei denen weder der Verdacht auf Infertilität bestand, noch eine Vasektomie vorgenommen worden war, hatten sie eine um beinahe 50 Prozent höhere Krebsrate. Der Vergleich beruht auf Versicherungsdaten von 76.083 Männern im durchschnittlichen Alter von 35 Jahren mit Verdacht auf Infertilität (n=28.698) oder bestätigter (n=47.385) Infertilität, einer Kontrollgruppe von 760.830 Männern ohne Infertilitätsverdacht und ohne Sterilisationsbehandlung sowie einer weiteren Gruppe von 112.655 Männern, die sich einer Vasektomie unterzogen hatten, also mit recht großer Sicherheit vorher fertil gewesen waren.

Während des dreijährigen Follow-ups erkrankten in allen drei Gruppen etwas mehr Männer an Krebs, als aufgrund des SEER-Registers zu erwarten gewesen wäre. Die höchste Inzidenz fand sich bei den infertilen Männern.

99 % höhere Hodenkrebsrate

Im Vergleich zur Kontrollgruppe lag bei ihnen die Krebsrate insgesamt um 49 Prozent, die Hodenkrebsrate sogar um 99 Prozent höher. Ebenfalls signifikant häufiger waren Melanome, Karzinome der Prostata, der Blase und der Schilddrüse sowie Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome und Leukämien. Auch vasektomierte Männer hatten gegenüber der Kontrollgruppe ein um 22 Prozent erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung. Die Studienautoren um Michael L. Eisenberg von der Stanford University vermuten, dass diese Beobachtung mit der häufigeren Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen und damit der früheren Diagnose von Malignomen zusammenhängen könnte. Wurden vasektomierte Männer mit Männern mit Fertilitätsproblemen verglichen, hatten Letztere immer noch 19 Prozent und damit signifikant mehr Krebsneuerkrankungen. Von den einzelnen Krebsentitäten traten Hodenkrebs (+50 Prozent) und Non-Hodgkin-Lymphome (+71 Prozent) signifikant häufiger auf. Die Analyse bekräftige ältere Daten, wonach eine Verbindung zwischen Infertilität und Hodenkrebs bestehe, konstatieren Eisenberg und Kollegen. „Die aktuellen Daten sprechen außerdem dafür, dass Männer in den Jahren nach der Abklärung einer Infertilität ein leicht erhöhtes Risiko für Krebs jeder Art haben.“

Zwar lässt sich das aufgrund der retrospektiven Datenerhebung nicht beweisen, es gibt jedoch Erklärungsansätze, die den Zusammenhang plausibel machen: So könnten zugrunde liegende genetische Veränderungen auch nicht-reproduktive Funktionen stören. Spekuliert wird außerdem über Einflüsse der hormonellen Exposition in uteri auf die spätere reproduktive wie somatische Gesundheit. Alternativ könnte das gemeinsame Auftreten von Infertilität und Krebs auf gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen und Adipositas zurückgehen. Denkbar ist außerdem, dass der Verlust der Fruchtbarkeit als Folge einer okkulten Krebserkrankung eintritt.

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