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Urologie 5. August 2005

Therapiemöglichkeiten bei BPH

Mit zunehmendem Alter bekommen immer mehr Männer Probleme mit der Prostata: Eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) haben etwa 70 Prozent der über 70-Jährigen. Je nach Ausmaß der obstruktiven Symptome sowie je nach Intensität der irritativen Symptomatik kommen eine Pharmakotherapie oder eine Operation in Betracht. Aufgrund der medikamentösen Möglichkeiten ist die Zahl operativer Eingriffe zurückgegangen.

Prostatagröße korreliert nicht mit den Beschwerden

Ein Problem bei der BPH ist, dass es keine definierte Beziehung zwischen der Prostatagröße und dem Schweregrad der Symptome gibt. Die BPH verursacht zwei Arten von Symptomen:

  • Obstruktive Symptome wie schwacher Harnstrahl, verzögerte Miktion, unvollständige Entleerung, Nachträufeln. 
  • Irritative Symptome: erhöhte Miktionsfrequenz, imperativer Harndrang, Dranginkontinenz, Nykturie.

Zur Einschätzung der Symptome wird häufig der internationale Prostatasymptomen-Score (IPSS) herangezogen. Bei milden Symptomen und einem IPPS von unter sieben Punkten wird meist die Strategie des "kontrollierten Abwartens" empfohlen. Die Restharnwerte sollten dabei aber unter 100 Millilitern liegen. Bei höherem IPPS und größeren Restharnwerten gibt es mehrere medikamentöse Therapieoptionen.

Rasche Wirkung bei Alpha-Rezeptoren-Blockern 

In mehreren Placebo-kontrollierten, randomisierten Doppelblindstudien wurde belegt, dass mit einem Alpha-Blocker die subjektiven Symptome und die urodynamischen Veränderungen der intravesikalen Obstruktion reduziert werden. Mit einem Alpha-1-Blocker lassen sich bei vielen Patienten schon innerhalb weniger Tage die irritativen Symptome deutlich bessern.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer verkleinern Prostata

Die hormonelle Behandlung bei BPH zielt darauf ab, die proliferative Stimulation des Testosterons auf die Prostatazelle zu verhindern. Testosteron wird in der Prostata durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase zum aktiven Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Dieser Prozess kann mit einem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer ohne nachweisbare Androgenrezeptor-blockierende Eigenschaften gehemmt werden.

Unerwünschte Begleiteffekte des Präparates sind ein geringer Rückgang der Libido sowie eine geringe Neigung zur Gewichtszunahme. Bei einigen Patienten wurde über Gynäkomastie und Mastodynie berichtet. Die anfängliche Befürchtung, dass das Risiko für die Entwicklung eines Mammakarzinoms erhöht sein könnte, hat sich nicht bestätigt. 

Phytopharmaka 

Seit altersher werden zur Therapie der BPH Pflanzenextrakte verwendet aus: 

  • Südafrikanischem Sternengras (Hypoxis rooperi), 

  • Sägepalmenfrüchten (Sabal serrula), 

  • Brennesselwurzel (Urtica species), 

  • Kürbissamen (Cucurbita pepo), 

  • Zitterpappel (Populus remula), 

  • Roggenpollen (Secale cereale), 

  • afrikanischer Pflaume (Pygeum africana), 

  • Phytosterol / Beta-Sitosterin. 

In den letzten Jahren sind mehrere prospektive, randomisierte Studien - auch Langzeitstudien - publiziert worden, die die Wirksamkeit von prostatotropen Phytopharmaka belegen. Gerade in jüngster Zeit sind auch einige Placebo-kontrollierte Studien über Phytopharmaka erschienen, die nach den Kriterien der Good Clinical Practice (GCP) erstellt wurden.

Goldstandard TURP

Der Goldstandard in der Behandlung bei BPH ist die transurethrale Prostataresektion (TURP), die spätestens erfolgen sollte: 

  • nach dem ersten Harnverhalt, 
  • bei Restharnbildung über 100 ml, 
  • bei pathomorphologischen Veränderungen der Harnblase wie Trabekel, Divertikel, 
  • bei quälender Symptomatik mit erheblicher Nykturie und bei Überlaufblase. 

Die Ergebnisse der transurethralen Resektion hinsichtlich Restharn und Uroflow sind denen der anderen instrumentellen Eingriffe überlegen. Erfolgsrate und Zufriedenheit der Patienten nach einer TURP liegen bei 97 Prozent, die Komplikationsrate im Promille-Bereich. Ein Vorteil der TURP ist die Gewinnung von Gewebe, um frühzeitig ein eventuell vorhandenes Prostatakarzinom zu erkennen, was je nach Literatur bei sechs bis 20 Prozent der Patienten zu finden ist (inzidentielles Karzinom). 

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