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Urologie 5. August 2005

Priapismus: Diagnose und Therapie

Als Priapismus bezeichnet man eine länger als zwei Stunden anhaltende, schmerzhafte Dauererektion ohne sexuelle Erregung, welche nicht durch die Applikation vasoaktiver, intrakavernöser Substanzen ausgelöst wurde. Abzugrenzen ist davon die so genannte prolongierte Erektion, die durch intrakavernöse Injektion vasoaktiver Substanzen ausgelöst wird. Ein Priapismus ist ein dringender urologischer Notfall. Wird nicht innerhalb von zwölf Stunden therapeutisch eingegriffen, muss mit einer dauerhaften Erektionsstörung gerechnet werden. 

Ätiologie des Priapismus 

In zirka 30-50 % der Fälle handelt es sich um einen idiopathischen Priapismus, d.h. eine Dauererektion ohne erklärbare Ursache. Sekundäre Priapismusformen können im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten:

  • Bei hämatologischen Erkrankungen (insbesondere Sichelzellanämie, Thalassämie, Thrombozythämie, Leukämien u.a.).
  • Bei Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie).
  • Im Rahmen metabolischer Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Amyloidose, Nephrotisches Syndrom u.a.).
  • Bei neurologischen Erkrankungen (z.B. multiple Sklerose, Tabes dorsales, Querschnittlähmung oberhalb S2, Spinalkanalstenose, Cauda-equinasyndrom u.a.) oder durch Gehirntumoren.
  • Bei Malignomen (z.B. Peniskarzinom, fortgeschrittenes Prostatakarzinom) als Folge eines fortgeschrittenen, lokalen Tumorwachstums oder bei Metastasen.
  • Bei penilem oder perinealem Trauma. 

Auch medikamentös toxisch kann ein Priapismus ausgelöst werden: 

  • Bei Überdosierung von vasoaktiven Substanzen
  • Durch exzessiven Alkohol- oder Drogenabusus.
  • Bei Karzinomerkrankungen (z.B. metastasiertes Prostatakarzinom, Blasenkarzinom. Bronchialkarzinom, Nierenkarzinom u.a.) 

Die Diagnostik des Priapismus erfolgt durch genaue Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, Urin, kavernöse Blutgasanalyse und Duplexsonografie der Penisarterien.

Therapie 

Ziel der Therapie des Priapismus ist das rasche Herbeiführen einer suffizienten Analgesie und vollständigen Detumeszenz, um einer irreversiblen Schwellkörperschädigung und einer damit verbundenen erektilen Impotenz vorzubeugen. Sie hat unverzüglich zu erfolgen: 

  • Punktion der Corpora cavernosa 
  • intrakavernöse Applikation alpha-adrenerger Substanzen (z.B. Etilefrin)
  • Shuntoperation 
  • Peniskompression und Kühlung 
  • Angiographie und Embolisation 
  • Analgesie 

In mehr als 90 % der Fälle ist ein alleiniges konservatives Vorgehen ausreichend. Bei rechtzeitiger Therapie (spätestens innerhalb von zwölf Stunden) sind meist keine dauerhaften Erektionsstörungen zu erwarten.

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