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Urologie 5. August 2005

Kampf dem "Schlafkiller" Nykturie

Unter Nykturie wird das nächtliche Einnässen während mindestens zweier Nächte im Monat verstanden, per definitionem nach dem fünften Lebensjahr und zwar bei unauffälligem Miktionsverhalten untertags. Die Gründe für das Beschwerdebild Schlafstörung ?Nykturie? liegen darin, dass entweder die in der Nacht produzierte Harnmenge zu groß (nächtliche Polyurie) oder das Fassungsvermögen der Blase zu gering ist. Von einer Polyurie spricht man, wenn ein Drittel des innerhalb von 24 Stunden produzierten Harns in der Nacht ausgeschieden wird. Nicht nur Senioren leiden unter Nykturie: unter den 30- bis 60-Jährigen sind 7% der Frauen und 6% der Männer betroffen. 

"Mit der zunehmenden Lebenserwartung der Bevölkerung hat das Problem ?Blasenschwäche? eine völlig neue Dimension erhalten. Doch für manche Menschen scheint es zum normalen Alterungsprozess zu gehören: nur wenige sprechen mit ihrem Hausarzt darüber, dass sie nachts immer wieder wegen Harndrangs aufwachen", erklärt Prim. Dr. Franz Böhmer, Ärztlicher Direktor und Vorstand der Internen Abteilung des Sozialmedizinischen Zentrums Sophienspital der Stadt Wien.Prinzipiell scheint es viele Gründe zu geben, warum vor allem ältere Menschen nachts häufiger auf die Toilette gehen müssen. Bei genauer Diagnostik zeigt sich jedoch bei vielen Patienten eine vermehrte nächtliche Urinproduktion (Polyurie-Syndrom). 

Auslöser dafür ist möglicherweise eine Verminderung beziehungsweise ein Ausbleiben des physiologischen nächtlichen Anstiegs an antidiuretischem Hormon (ADH). Die Folge ist eine empfindliche Störung des Schlafes und somit der Regenerationsphase. Eine weitere drastische Konsequenz der Nykturie ist das erhöhte Sturzrisiko durch das nächtliche Aufstehen. 

Stufenplan für Diagnose und Therapie

Böhmer: "Gerade bei älteren Patienten gilt es, die Nykturie nicht als isolierte Erkrankung, sondern stets im Kontext der Multimorbidität, aber auch der Multimedikation zu beachten." Neben dem ausführlichen Gespräch mit den Patienten und einer körperlichen Untersuchung müssen Harnwegsinfektionen und psychologische oder verhaltensbedingte Gründe der Schlafstörung als Ursache ausgeschlossen werden. Die Führung eines Miktionsprotokolls über etwa 72 Stunden ist unbedingt anzuraten, um die Diagnose zu sichern. 

In der Behandlung des vermehrten nächtlichen Harndrangs kann folgender Stufenplan empfohlen werden: Neben der Behandlung des Grundleidens (zum Beispiel Herzinsuffizienz) sollte zunächst an eine vorsichtige Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr gedacht werden (allerdings nie weniger als 1,5 Liter!). Auch eine Reduktion der Salzzufuhr sollte empfohlen werden, ebenso sind die Medikamente zu überprüfen. Zeigen diese Maßnahmen nicht die erwünschte Wirkung, so ist eine Therapie mit Desmopressin, einem Analogon des natürlichen Hormons Vasopressin, angeraten. Studien zufolge reduziert Demopressin (wie Minirin® 0,2mg -Tabletten) bei 34% der Frauen und 46% der Männer die nächtlichen Toilettengänge. 

Am Abend in Tablettenform eingenommen, bewirkt es während der folgenden acht Stunden eine Konzentrierung des Harns und eine Reduktion der nächtlichen Harnausscheidung um etwa 30%. Die erste Schlafperiode wird auf 5 Stunden verlängert. Bei bettnässenden Kindern wird Desmopressin seit vielen Jahren mit Erfolg und praktisch ohne Nebenwirkungen angewandt. 

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