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Urologie 5. August 2005

Wem gehört eigentlich der Mann?

Einerseits scheint das Fachgebiet der Urologie klar umrissen zu sein. Auf der anderen Seite gibt es interdisziplinäre Überschneidungen, die zum Teil mit Wohlwollen, gelegentlich jedoch auch mit Missmut von den Kollegen zur Kenntnis genommen werden. Gerade wenn es um das Thema geht, wem "der Mann" eigentlich gehört, scheinen sich nach Ansicht der Urologen die Gynäkologen zu sehr einzumischen. Über diesen Konflikt, neue Errungenschaften auf dem urologischen Sektor und zukünftige Aussichten sprach die ÄRZTE WOCHE mit dem neuen Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie, Prof. Dr. Ulrich Maier, Vorstand der Urologischen Abteilung des SMZ-Ost, Wien.

Vorerst Gratulation zur Wahl zum Präsidenten der Gesellschaft für Urologie und Andrologie. Welche Ziele haben Sie sich in Ihrer Amtsperiode gesteckt?

Maier: Ich sehe meine Aufgabe vor allem in der Vermittlertätigkeit zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft für Urologie und der Öffentlichkeit. Es ist mir zudem ein Anliegen, die Position des Berufsstandes der Urologen eindeutig festzulegen. Dies bedarf einer vermehrten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Ausbildungsrichtlinien stellen ein wesentliches Thema dar. 

Wird der Trend zu Subspezialisierungen auch in der Urologie Einzug halten?

Maier: Es handelt sich bei der Urologie um ein eher kleines Fachgebiet mit zwar sehr spezifischen Aufgabenbereichen, die jedoch alle von einem Facharzt zu bewältigen sind. Insofern dürfte bei uns eine solche Notwendigkeit nicht bestehen. 

Wie ist der Stellenwert des aging-male in näherer Zukunft zu bewerten?

Maier: Der alternde Mann steht zweifellos im Mittelpunkt des Interesses. Allerdings gibt es wenig zufriedenstellende Studien, die therapeutische Interventionen rechtfertigen würden. Außerdem ist nicht immer klar ersichtlich, ob ein Patient tatsächlich ein Hormondefizit hat und daher von einer Hormontherapie profitieren würde. Auch die Dauer der Verabreichung von Hormonen und mögliche Nebenwirkungen sind noch nicht ausreichend bekannt. Sicherlich werden Probleme wie die Osteoporose beim Mann zunehmend zur Sprache kommen. Hier ist die Zusammenarbeit mit den internistischen Kollegen gefordert. 

Welche Substanzen stehen für die Hormontherapie zur Verfügung?

Maier: Es handelt sich nicht um eine Substitutions-, sondern eine Supplementärtherapie, da ein gewisser Spiegel von männlichen Hormonen stets noch vorhanden ist. In erster Linie ist hier selbstverständlich das Testosteron zu nennen. Auch das Growth Hormon (GH) kommt bevorzugt zum Einsatz, hier ist jedoch noch keine ausreichende Sicherheit bezüglich der Entstehung von Malignomen etwa im Bereich der Prostata gegeben. Von den Östrogenen als Ersatz bei Männern ist man mittlerweile völlig abgekommen. Das gleiche gilt für das Melatonin. Auch von der Wirkung des DHEA hat man sich mehr versprochen. 

Wie sind die Erfahrungen mit der Hormontherapie?

Maier: Realistischerweise muss man feststellen, dass die Hormontherapie bei Männern im "Wechsel" meist nicht wirkt. Sinnvoll erscheint lediglich eine Supplementierung mit einer geringen Dosis bei Männern jenseits des 65. Lebensjahres und einer entsprechenden klinischen Symptomatik. In vielen Fällen geht es den Betroffenen - zumindest psychisch - besser. In diesem Zusammenhang sollte auch ausdrücklich auf die Aufklärung des Patienten über mögliche, noch nicht abschätzbare Nebenwirkungen im Sinne eines vermehrten Risikos für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms durch eine länger dauernde Hormontherapie hingewiesen werden. 

Soll die Männergesundheit eine Domäne der Urologen bleiben?

Maier: Es scheint mir von besonderer Wichtigkeit, abermals und mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, dass wir für die Endokrinologie der Männer zuständig sind und nicht die Gynäkologen. Der Urologe ist der Männerarzt und es wird nicht zuletzt meine Aufgabe sein, dies in meiner Präsidentschaft einer breiteren Öffentlichkeit nahe zu bringen. 

Gibt es auf dem chirurgischen Bereich über Neuerungen zu berichten?

Maier: Die neuen operativen Methoden, insbesondere die laparoskopische radikale Prostatektomie, müssen wie alle jungen Arbeitsweisen erst ihre Effizienz unter Beweis stellen. Die nerverhaltende Komponente ist wesentlich, um zu beurteilen, ob die herkömmlichen Methoden schließlich einmal abgelöst werden können. Dies wird sich in näherer Zukunft zeigen. Generell stellt die radikale Prostatektomie auch in Kombination mit einer Strahlentherapie bei Patienten mit Prostatakarzinom die Methode der Wahl dar, sofern der Tumor örtlich begrenzt ist. Die Strahlentherapie alleine kann noch nicht als Alternative zur Operation empfohlen werden, weil sie zu lokalen Komplikationen mit Beeinträchtigung des Harnabflusses führen kann und mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden ist. In den USA besteht zur Zeit ein radioonkologischer Trend, hierzu fehlen jedoch noch Langzeitergebnisse. Sie weisen oft auf die Wichtigkeit der Vorsorge als Prophylaxe für das Prostatakarzinom hin. 

Welche Bedeutung hat die Bestimmung des PSA-Wertes?

Maier: Vor 20 Jahren wurden maligne Entartungen der Prostata meist erst im metastasierenden Zustand entdeckt. Mit der zunehmenden Frühdiagnostik, zu der neben der Bestimmung des PSA auch eine entsprechende Untersuchung des Organs zählt, konnten die Karzinome in einer Vielzahl der Fälle in den lokoregionären Stadien erkannt werden. Ein routinemäßig durchgeführter PSA-Test durch den Hausarzt ist sicher eine gute Grundlage, ersetzt jedoch nicht die empfohlene jährliche Untersuchung durch den Urologen ab dem 50. Lebensjahr, beziehungsweise ab dem 45. Lebensjahr bei familiärer Prädisposition. PSA-Werte unter 2,5 bis zum 50. Lebensjahr und unter 6,5 ab dem 70. Lebensjahr sind als normal zu bezeichnen. 

Was kann aus heutiger Sicht über die Substanzen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion gesagt werden? 

Maier: Die Entwicklung von Viagra® war zweifelsfrei eine Sensation. Man sollte nicht nur negativ über die kardialen Nebenwirkungen und möglichen Gefahren berichten. Viele Partnerschaften und Ehen sind sicherlich durch den Einsatz der PDE-Hemmer gerettet worden. Die neuen Präparate, die bald auf den Markt kommen, werden aufgrund ihrer längeren Halbwertszeit den "Sex auf Bestellung" zurückdrängen und eine Wirksamkeit über den ganzen Tag erzielen können. Zudem ist auch ein geringeres Nebenwirkungsprofil zu erwarten. 

Welchen Tipp hätten Sie noch für die Allgemeinmediziner?

Maier: Aufgrund mehrerer Anfragen wäre das der Hinweis, dass nicht jede asymptomatische Mikrohämaturie mit Antibiotika zu behandeln ist. Der Streifentest auf Blut im Harn kann falsch positiv sein. Bei Verdacht muss in jedem Fall ein Sediment gemacht werden. Ist dieses negativ, so hat der Patient keine Mikrohämaturie. 

Wir danken für das Gespräch.

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