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Urologie 5. August 2005

Neuartiger Blasenersatz

Bei etwa 20 Prozent der Patienten mit Blasenkrebs ist die Erkrankung bereits so fortgeschritten, dass die Harnblase entfernt werden muss. Zur Harnableitung werden verschiedene chirurgische Verfahren angewendet. Das Standardverfahren ist die Erstellung einer Neoblase aus Darmteilen, die an die Urethra angeschlossen wird. 

Allerdings: Für Frauen, die bekanntlich über ein anderes Schließmuskelsystem als Männer verfügen, und im Bauchraum voroperierte Patienten ist die herkömmliche Methode meist weniger geeignet. Urologen der Medizinischen Universität Lübeck haben jetzt eine weitere Methode entwickelt. Für den so genannten "Lübeck-Pouch" wird ein etwa 80 Zentimeter langes Dünndarmstück aufgetrennt, umgeformt und zu einem neuen Harnreservoir vernäht. Dieser Sammelbeutel wird von innen an der Bauchwand befestigt und kann über eine drei bis vier Zentimeter lange Hautröhre regelmäßig von außen mit einem Katheter geleert werden.
Das Besondere an dem Pouch ist der ebenfalls aus körpereigenem Dünndarm bestehende Ventilmechanismus, der nach Angaben von Prof. Dr. Andreas Böhle, dem leitenden Oberarzt der Urologie in Lübeck, die neue Blase vollständig verschließt. Am Übergang Blase-Harnleiter wird während der Operation eine Art Rückschlagventil konstruiert, um zu verhindern, dass mögliche Infektionserreger in die Nieren wandern. Die Verbindung Blase-Bauchöffnung ist gleich mit einem zweifachen Ventil gesichert. 

In einer ersten Studie wurden neun Frauen und zwei Männer so behandelt. Das Verfahren hat sich bewährt: Auch im Mittel 12,5 Monate nach dem Eingriff waren noch alle Patienten kontinent und haben sich selbst katheterisiert. Die Bauchöffnung zum Katheterisieren befindet sich bei dem neuen Verfahren im rechten Unterbauch in Höhe der Sliplinie. Sie kann mit einem Pflaster abgedeckt werden. Die Patienten können problemlos schwimmen gehen, versprechen die Lübecker Urologen. Die neue Operationsmethode ist nach Angaben von Böhle standardisierbar und lehnt sich technisch an die Neoblasen-Operation an.

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