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Urologie 5. August 2005

Österreichische Entwicklung erregt weltweit Aufsehen

Prim. Univ. Doz. Dr. Wilhelm A. Hübner, Leiter der Urologie der Humanis Klinik Korneuburg, adaptierte ein Implantat für weibliche Inkontinenz für den Einsatz beim Mann. Bei Patienten, denen die Prostata entfernt wurde, wird diese operativ von zwei aufblasbaren Silikonballons ersetzt. Diese können über ein im Hoden sitzendes Ventil jederzeit gemäß individuellen Bedürfnissen nachjustiert werden.

Mehr als ein Drittel aller Männer über 50 kämpfen mit Prostata-Problemen. In manchen Fällen ist die Prostataentfernung letzte therapeutische Konsequenz. Bei dieser Routineoperation sind Impotenz und Inkontinenz häufige und unangenehme Begleiterscheinungen. Mittels einer in Österreich entwickelten unkomplizierten Operation wird eine ?künstlichen Prostata? implantiert. So können die meisten Betroffenen wieder in ein normales, beschwerdefreies Leben zurückzufinden. Viele der Prostata-Operierten sind noch jung; bei ihnen ist der Leidensdruck besonders hoch.

Vor Jahren trat ein amerikanisches Medizintechnik-Unternehmen mit der Frage an Prim. Univ. Doz. Dr. Wilhelm A. Hübner, Leiter der Urologie der Humanis Klinik Korneuburg, heran, ob ein damals neu erdachtes Inkontinenz-Implantat für die Behandlung der weiblichen Blasenschwäche geeignet wäre.

Hübner und sein Team hatten sich seit Jahren auf die Therapie der Blasenschwäche spezialisiert, daher wurde rasch das Potenzial des Systems für die Behandlung der männlichen Inkontinenz erkannt. Das System wurde für den Einsatz beim Mann adaptiert. In der Folge wurde in Korneuburg eine neue Technik entwickelt, die seit kurzem international Furore macht.

1999 wurde in Korneuburg die erste Implantation durchgeführt. Mittlerweile wird diese Methode international angewendet.

Bisherige operative Methoden wurden sowohl die Implantation betreffend als auch die spätere Bedienung durch den Patienten als zu aufwändig eingeschätzt. Andere Methoden gelten eher als wirkungslos. Hübners Konzept hingegen ist unkompliziert und die Operation dauert nur 15 bis 20 Minuten.

80-90 Prozent Erfolgsquote

Der Patient wird kaum belastet und die Operation verursacht wenig Kosten. Einem Großteil der Patienten, die präoperativ mehr als acht Inkontinenz-Vorlagen pro Tag verwenden mussten, konnte geholfen werden. Viele können für immer auf die Einlagen verzichten.

Hübner: ?Über 80 Prozent der Patienten können völlig von ihrem Leid befreit werden, den Harn wieder halten und ohne Einschränkung urinieren. Besonders wenn Patienten jahrelang an Blasenschwäche litten und sich als unheilbar einschätzten, brechen sie häufig sogar in Freudentränen aus, wenn die Operation geglückt ist und sie in den ersten Tagen danach den Erfolg unserer Methode realisieren. Deshalb nennen wir als ein Maß für die psychologische Hilfe, die diesen Männern zuteil wird, crying rate.?

Kleine Ballons: Große Wirkung

Die beiden aufblasbaren Silikonballons werden mit einem sehr einfachen Spezialbesteck über einen zwei Zentimeter langen Hautschnitt implantiert. Sie werden periurethral an die Stelle der entfernten Prostata platziert. Die Ballons werden mit einem Kontrastmittel-Propylenglycol-Gemisch gefüllt. Die Besonderheit des Systems besteht darin, dass das Volumen der Ballons jederzeit, entsprechend den individuellen Ansprüchen der Patienten, über ein im Hodensack sitzendes Ventil postoperativ nachjustiert werden kann. So kann für jeden Patienten die optimale Passgröße erreicht werden. Die Patienten werden meist um die Mittagszeit operiert, bekommen über Nacht einen Katheter gesetzt, und am nächsten Morgen wissen die Ärzte bereits, ob der Behandelte wieder gänzlich kontinent ist oder nicht. Falls nicht, wird bereits am Tag nach der Operation nachjustiert. Diese Methode ist eine große Chance für Patienten, die aufgrund einer Prostata-Entfernung die Kontrolle über ihre Blase verloren haben, ihre Inkontinenz wieder in den Griff zu bekommen.

Die Prostata besteht aus etwa 40 Drüsen und befindet sich unterhalb des Blasenausgangs. Die kastaniengroße Drüse umschließt den ersten Teil der Harnröhre. Bei jedem Wasserlassen wird der Harn von der Blase über die prostatische Harnröhre in die Harnröhre weitergeleitet.

Quelle: Jahrestagung der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich

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