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Chemische Struktur des Proteins prostate-specific antigen (PSA).
 
Urologie 9. März 2015

Niedrige PSA-Werte?

Dann reicht ein PSA-Check alle zehn Jahre als Prostatakrebs-Prävention aus.

Männer mit PSA-Werten unter 1,0 ng/ml können sich eine regelmäßige Überprüfung der Serumwerte sparen: Die Wahrscheinlichkeit, in den folgenden zehn Jahren an einem Prostatatumor zu erkranken, ist äußerst gering.

Das Screening auf Prostatatumoren mittels PSA-Test ist bekanntlich sehr umstritten: Einer besseren und früheren Tumorerkennung stehen eine hohe Rate falsch positiver Resultate mit nachfolgenden unnötigen Biopsien sowie eine hohe Rate an niedrig-malignen Tumoren gegenüber. Letztere verleiten zu einer Übertherapie bei Tumoren, die ohne PSA-Test nicht auffällig geworden wären. Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte eine bessere Risikostratifizierung bieten: Ein jährlicher oder zweijährlicher PSA-Test wäre danach nur bei Männern mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko nötig, die übrigen könnten in wesentlich größeren Intervallen zur Serumabgabe schreiten – dies würde zum einen Ressourcen schonen, zum anderen unnötige Biopsien und Krebstherapien vermeiden.

Für eine solche Stratifizierung eignet sich der PSA-Wert selbst: Solange er niedrig ist, besteht auch ein geringes Risiko, in den folgenden Jahren an einem Prostata-Karzinom zu erkranken. Forscher um Jonathan Gelfond von der Universität in San Antonio schauten nun anhand von Daten der Studie SABOR, welche Männer getrost auf ein regelmäßiges PSA-Screening verzichten können.

Für ihre Analyse haben sie das Schicksal von knapp 3.000 Männern beobachtet, die zu Beginn noch keinen Tumor hatten und im Schnitt 7,5 Jahre (maximal 12,4 Jahre) lang an der Studie teilgenommen hatten. Anfangs wurde bei allen der PSA-Wert gemessen. Männer mit Werten über 1 ng/ml untersuchten die Ärzte jährlich, die übrigen alle zwei Jahre. Bei den Arztterminen erfolgte zusätzlich zum PSA-Test auch eine digital-rektale Untersuchung. Insgesamt spürten die Studienärzte 289 Prostatatumoren auf.

Zehnmal weniger Tumoren

Das Team um Gelfond teilte nun die Männer aus der Studie gemäß ihres Anfangs-PSA-Wertes in sechs Gruppen ein: Solche mit einem Wert unter 1 ng/ml, solche mit Werten von 3 bis 10 ng/ml sowie vier Gruppen zwischen 1 und 3 ng/ml. Wie erwartet, war die Inzidenz von Prostatatumoren in der Gruppe mit Anfangswerten unter 1 ng/ml am geringsten. Zu dieser Gruppe gehörte immerhin rund die Hälfte der Männer. Von ihnen erkrankten im Laufe von zehn Jahren lediglich 3,4 Prozent an einem Prostatatumor. Je höher die Anfangs-PSA-Werte waren, umso höher war auch die Tumorinzidenz. In der Gruppe mit PSA-Konzentrationen über 3 ng/ml erkrankten im Laufe von zehn Jahren knapp 40 Prozent an dem Tumor, das Krebsrisiko bei solchen Werten ist also zehnfach höher als bei einem Anfangs-PSA-Level unter 1 ng/ml.

Zwanzigmal weniger aggressive Tumoren

Wenig überraschend war auch die Rate hochgradiger Tumoren (Gleason-Score über 6) in der Gruppe mit den niedrigsten PSA-Basiswerten am geringsten: Nach zehn Jahren erkrankten lediglich 0,9 Prozent der Männer an solchen Tumoren, bei den mit den höchsten Basiswerten lag der Anteil bei 17,5 Prozent. Das Risiko für aggressive Tumoren ist bei Männern mit niedrigen PSA-Basiswerten folglich sogar 20-fach niedriger als bei Männern mit Werten über 3 ng/ml. Insgesamt waren von den 39 Tumoren, die bei Männern mit Basiswerten unter 1 ng/ml diagnostiziert worden waren, je nach Definition 28 bis 35 niedrig-gradige Tumoren.

Die Tatsache im Hinterkopf, dass sich in einigen großen Studien die Prostatakrebs-Sterblichkeit durch das PSA-Screening nicht senken ließ und in anderen der Nutzen eher gering war, schlagen die Krebsforscher um Gelfond vor, bei dem Großteil der Männer mit PSA-Werten unter 1 ng/ml auf einen regelmäßigen PSA-Test zu verzichten und die Serumwerte dieses Biomarkers nur noch alle zehn Jahre zu bestimmen, etwa im Rahmen einer allgemeinen Krebsvorsorge zusammen mit einer Koloskopie.

Originalpublikation: Gelfond J et al. Intermediate-term Risk of Prostate Cancer is Directly Related to Baseline PSA: Implications for Reducing the Burden of PSA Screening.

J Urol 2015, online 13. Februar;

DOI 10.1016/j.juro.2015.02.043.

springermedizin.de, Ärzte Woche 11/2015

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