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Urologie 26. Jänner 2015

Immer infiziert

Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten und vaginalen Pilzinfekten wird oft in der Apotheke um Rat gefragt.

Die im Vergleich zu jener des Mannes wesentlich kürzere Harnröhre der Frau hat zur Folge, dass Erreger leichter in die Blase gelangen. Entzündungen der Blase und Harnwege sind daher bei Frauen wesentlich häufiger anzutreffen als bei Männern.

Im Fall des unkomplizierten Harnwegsinfektes – und nur dieser ist ein Fall für die Selbstmedikation – sind es überwiegend Escherichia-coli-Bakterien, die die Infektion auslösen. Es entsteht das Bild der akuten bakteriellen Zystitis, verbunden mit (ständigem) Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Viele Frauen kennen die Beschwerden und möchten sie in Eigenregie behandeln. Das ist möglich, sofern die folgenden Symptome nicht vorhanden sind: Fieber, Schüttelfrost, Blut im Urin, starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Halten die Beschwerden länger als fünf Tage an, ist die Frau schwanger oder immungeschwächt, ist der Gang zum Arzt notwendig.

OTC-Sortiment

Das Durchspülen steht bei Blasenentzündungen an oberster Stelle: Mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag verdünnen den Urin und transportieren die Bakterien nach draußen. Es bieten sich Blasen- und Nierentees an aus Heilpflanzen, die vorwiegend diuretische Effekte haben: Brennnesselkraut und -blätter, Birkenblätter, Orthosiphonblätter, Echtes Goldrutenkraut, aber auch Schachtelhalmkraut, Bohnenhülsen, Grüne Mateblätter und Bärentraubenblätter. Mischungen zeigen in der Regel neben der harntreibenden auch schwach entzündungshemmende, antimikrobielle und spasmolytische Effekte.

Traditionell wird eine Mischung aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern als Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege angewendet. Außerdem kommen orale Präparate mit Auszügen aus Kapuzinerkresse oder Bärentraubenblättern zum Einsatz.

Die Empfehlung, den Harn zu alkalisieren, damit Extrakte aus Bärentraubenblättern besser wirken, gilt als obsolet. Entsprechende Arzneimittel dürfen ohne ärztlichen Rat nicht länger als eine Woche eingenommen werden.

Vaginale Infektion

Der Scheidenpilz (vaginale Mykose) ist eine der häufigsten vaginalen Infektionen der Frau, hauptsächlich verursacht durch den Hefepilz Candida albicans. Gekennzeichnet durch Juckreiz und Brennen (auch beim Wasserlassen), tritt außerdem weißlicher Fluor und käsiger Ausfluss auf, verbunden mit einer Rötung der äußeren und inneren Schamlippen. Der Unterschied zur bakteriellen Scheideninfektion (Vaginose) ist der Geruch: Ausfluss bei Vaginalpilz riecht fast nicht oder säuerlich, die bakterielle Vaginose fällt durch fischartigen Geruch auf. Fehlt der Ausfluss, können nicht infektiöse Hauterkrankungen vorliegen wie Neurodermitis (Vulvaekzem), Psoriasis, Lichen ruber oder Lichen sclerosus, bei denen Antimykotika nutzlos sind.

Eigendiagnose hinterfragen: Die Eigendiagnose „Scheidenpilz“ ist bei zwei Dritteln der Frauen, die ein vaginales Antimykotikum in der Apotheke kaufen, nicht korrekt. Beim erstmaligen Auftreten der Beschwerden sollte daher ein Gynäkologe um Rat gefragt werden. Bestätigt er den vaginalen Pilz, ist bei Wiederkehr der Symptomatik nichts gegen die Selbstmedikation einzuwenden. Tritt die Vaginalmykose häufiger als viermal im Jahr auf, sind Frauen unter 18 Jahren oder Schwangere betroffen oder bessern sich die Beschwerden nach dreitägiger Therapie nicht, ist der Gang zum Arzt angezeigt.

OTC-Sortiment

Hier steht das Antimykotikum Clotrimazol im Vordergrund. Es wird in den Darreichungsformen Creme und Vaginalzäpfchen (Ovulum) sowie Vaginaltablette angeboten. Sie sind in Packungsgrößen mit einer Gesamtmenge von bis zu 600 Milligramm für eine Anwendungsdauer bis zu drei Tagen verschreibungsfrei. Die Dosis kann dabei in einer einzelnen Arzneizubereitung enthalten oder verteilt auf mehrere sein. Als weiteres Antimykotikum im Vaginalbereich wird Nystatin in Form von Vaginalzäpfchen, -tabletten und -salbe eingesetzt. Die Rolle von Milchsäurebakterien zur Bekämpfung von Vaginalmykosen wird überschätzt. Sie haben ihren Platz aber bei der Behandlung der Vaginose und dem Wiederaufbau der Vaginalschleimhaut beispielsweise nach einer Antibiotikatherapie.

Obwohl es banal klingt, wissen es viele Frauen nicht: Eine übertriebene Intimhygiene schadet mehr, als sie nutzt. Das häufige Anwenden parfümierter Duschgels oder Seifen schwächt den natürlichen Abwehrschutz der Vaginalschleimhaut durch Verändern ihres pH-Wertes und macht sie angreifbar für Erreger wie Hefepilze. PH-neutrale Waschlösungen sind daher besser geeignet.

Springer-gup/red

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