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Eine Kastration scheint den Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom ein längeres Leben zu ermöglichen.
 
Urologie 26. Jänner 2015

Kastration wirkt am besten

Behandlungsmethoden bei fortgeschrittenem Prostatakrebs im Vergleich.

Chirurgische und medizinische Kastrationen sind mit belastenden Nebenwirkungen verbunden. Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom gewinnen dadurch aber mehr Lebenszeit als durch eine Monotherapie mit nicht-steroidalen Antiandrogenen.

Der Vergleich zwischen nichtsteroidalen Antiandrogenen einerseits und bilateraler Orchiektomie beziehungsweise LH-RH-Analoga andererseits beruht auf einem systematischen Cochrane-Review, der jetzt im „ BJU International “ in einer Kurzversion nachzulesen ist. In die Analyse sind elf randomisierte kontrollierte Studien eingegangen. Alle 3.060 Teilnehmer hatten an fortgeschrittenen Stadien eines hormonsensitiven Prostatakarzinoms gelitten.

In sechs Studien wurde das Gesamtüberleben erfasst. Dieses war signifikant verkürzt, wenn die Blutkonzentration der Androgene nicht gesenkt, sondern lediglich ihre Wirkung blockiert worden war. Patienten mit nicht-steroidalen Antiandrogenen (Bicalutamid, Flutamid) hatten in der Nachbeobachtungszeit von ein bis sechs Jahren eine um 24 Prozent höhere Mortalität (Hazard Ratio, HR 1,24). In einer Subgruppenanalyse von drei Studien bestätigte sich dieser Unterschied bei Patienten mit metastasierten Karzinomen (HR 1,34). Patienten ohne Metastasen überlebten dagegen mit den Antiandrogenen ähnlich lang wie mit LH-RH-Analoga oder Orchiektomie.

Mit Antiandrogenen haben Patienten schlechtere Karten

Bei der krebsspezifischen Mortalität zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsstrategien. Dieser Endpunkt war aber nur in drei Studien untersucht worden. Unter den Antiandrogenen wurde nach einem Jahr, nach 70 Wochen und nach zwei Jahren eine klinische Progression signifikant häufiger festgestellt. Im Vergleich zu den anderen Verfahren war das relative Risiko (RR) um 25 Prozent, 26 Prozent beziehungsweise 14 Prozent erhöht. Dementsprechend kam es bei den Patienten mit Bicalutamid oder Flutamid zu diesen Zeitpunkten auch häufiger zu einem Therapieversagen (RR: 1,19, 1,27 bzw. 1,14).

Eine Behandlung mit nicht-steroidalen Antiandrogenen resultierte außerdem häufiger in einem nebenwirkungsbedingten Behandlungsabbruch. Gegenüber der Androgenablation war die Quote um 82 Prozent erhöht. Verantwortlich waren insbesondere Brustschmerzen und Gynäkomastie. Hitzewallungen traten dagegen unter den Vergleichstherapien häufiger auf.

Fazit des Reviews

Eine Monotherapie mit nicht-steroidalen Antiandrogenen anstelle einer chirurgischen oder medizinischen Kastration bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs ist weniger wirksam im Hinblick auf das Gesamtüberleben, klinische Progression, Therapieversagen und nebenwirkungsbedingte Behandlungsabbrüche. Besonders ausgeprägt sind diese Differenzen offenbar bei Patienten mit metastasierter Erkrankung. Da die Cochrane-Autoren die Qualität der Evidenz für die meisten Endpunkte als mittelgradig einstufen, halten sie weitere Studien vor allem im Hinblick auf Patienten mit fortgeschrittener, aber noch nicht metastasierter Erkrankung für wichtig.

 

Originalpublikation:

Kunath F et al. Non-steroidal antiandrogen monotherapy compared with luteinising hormone–releasing hormone agonists or surgical castration monotherapy for advanced prostate cancer: a Cochrane systematic review. BJUI, online 18. Dezember 2014;

DOI 10.1111/bju.13026

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2015

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