zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 5. Dezember 2014

Sport gegen Nykturie

Nächtliches Wasserlassen gehört zu den häufigsten und lästigsten Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS). Körperliche Aktivität könnte helfen, die Beschwerden einzudämmen.

Anhand der PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial) wurde der Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und vorhandener bzw. neu aufgetretener Nykturie analysiert. In die Untersuchung zu vorhandenen BPH-Zeichen waren 28.404 Männer im mittleren Alter von 63 Jahren einbezogen. Jeder Dritte berichtete über nächtliches Wasserlassen. Dabei erwies sich die Nykturie als invers korreliert zu regelmäßiger körperlicher Anstrengung wie etwa Schwimmen oder strammem Gehen: Männer, die sich wöchentlich mindestens eine Stunde bewegten, waren zu 35 % weniger von einer schweren Nykturie mit mindestens dreimaligem „Rausmüssen“ betroffen als Männer, die gar keinen Sport machten. Die Rate an Nykturien und schweren Nykturien ohne weitere Symptome einer BPH fiel bei den aktiven Männern sogar um 18 % und 39 % niedriger aus. Zu anderen BPH-Merkmalen fand sich dagegen eine schwache gegenläufige Beziehung: Diagnose und Operation einer BPH erfolgtem demnach etwas häufiger bei den sportlich aktiveren Männern.

Bei 4.710 Männern wurde außerdem das Neuauftreten von möglichen Symptomen einer BPH in Abhängigkeit von sportlicher Betätigung untersucht. Hier ließ sich eine Assoziation ausschließlich bei der Nykturie feststellen: Bei mindestens einer Stunde Sport pro Woche sank die Wahrscheinlichkeit, eine Nykturie bzw. eine schwere Nykturie zu entwickeln, um 13 % bzw. um 34 %. Ob die Männer zusätzliche BPH-Symptome aufwiesen oder nicht, änderte wenig an diesen Zahlen.

An dem Schutzeffekt könnten diverse Mechanismen beteiligt sein: Gewichtsabnahme, verminderte Sympathikusaktivität und eine Reduktion systemischer Entzündungsprozesse sind theoretisch in der Lage, einer BPH und damit auch einer Nykturie entgegenzuwirken. Darüber hinaus könnte aber auch die simple Tatsache, dass Bewegung müde macht, zu der beobachteten Assoziation beitragen: Wer tiefer schläft, rennt nachts vermutlich seltener zur Toilette.

Wolin KY et al.: Medicine & Science in Sports & Exercise 2014; online 9. Juli

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben