zur Navigation zum Inhalt
© Werner Harrer
Doz. Dr. Josef Oswald, Vorstand der Abteilung für Kinderurologie am Krankenhaus Barmherzige Schwestern Linz
 
Urologie 24. Oktober 2014

Ratgeber will Eltern aktivieren

Schulärzte bieten Aufklärung und Hilfe beim Tabuthema Bettnässen.

Etwa jedes zehnte Volksschulkind in Österreich ist Bettnässer. Aus Scham sprechen betroffene Familien so gut wie nie über dieses heikle Thema. Zum Schulbeginn startete die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSÖ) daher ein Aufklärungsprojekt zu diesem Tabuthema. Ein Elternratgeber soll die Irrtümer und Missverständnisse in Bezug auf das Bettnässen ausräumen und Eltern dazu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Weil viele Eltern denken, sie wären verantwortlich, reden sie nicht darüber“, ist Dr. Judith Glazer, Präsidentin der GSÖ überzeugt. „Diese Scham hat aber fatale Folgen. Nur jedes fünfte betroffene Kind bekommt hierzulande die Therapie die es bräuchte.“ Und späte bzw. falsche Therapie der Enuresis hat häufig schlimme Auswirkungen auf Selbstbewusstsein und Lebensqualität der betroffenen Kinder. Der Elternratgeber wurde gemeinsam mit dem Experten Doz. Dr. Josef Oswald ausgearbeitet und ist ab sofort für alle Volksschulen kostenlos bei der GSÖ zu bestellen.

Warum nässen Kinder ein und ab wann ist ein Kind „Bettnässer“?

Von Bettnässen bzw. Enuresis spricht man, wenn ein Kind nach dem fünften Geburtstag mindestens zweimal pro Monat nachts einnässt, obwohl es tagsüber bereits trocken ist und keine organische Störung und kein Harnwegsinfekt vorliegen. Bei etwa vier von fünf betroffenen Kindern ist ein körperliches Problem für das Einnässen verantwortlich, wobei die Ursachen hierfür sehr vielfältig sein können. „Kinder machen nicht absichtlich ins Bett und können es auch nicht verhindern, egal wie sehr sie sich bemühen“, erklärt Oswald, Leiter des Arbeitskreises Kinderurologie der Österr. Gesellschaft für Urologie (ÖGU). „Bettnässen ist ein ernst zu nehmendes Problem, das wir mittlerweile aber sehr gut behandeln können.“

Der erste und wichtigste Schritt für betroffene Eltern: Schnellstmöglich einen Termin bei einem Kinderfacharzt oder einem Facharzt für (Kinder)urologie vereinbaren, um die Ursache des Bettnässens zu ergründen. „Meist ist eine Kombinationstherapie aus Verhaltensveränderungen, allgemeinen Maßnahmen und Medikamenten notwendig, um das Bettnässen langfristig einzustellen“, weiß Oswald aus langjähriger Erfahrung. „Bei nur 15 Prozent der Kinder löst sich das Problem alleine. Alle anderen benötigen eine individuelle Behandlung, die derzeit aber nur jedes fünfte betroffene Kind auch bekommt.“

Bennis Blasentagebuch

In den Elternratgeber integriert ist mit Bennis Blasentagebuch ein Miktionsprotokoll. Dieses sollten betroffene Eltern gemeinsam mit dem Kind über zumindest 48 Stunden führen und zum ersten Gesprächstermin beim Facharzt mitbringen. „Abwarten erhöht den Leidensdruck für die betroffenen Kinder und deren Eltern nur unnötig“, ist auch Glazer überzeugt.

Den Elternratgeber und das Protokoll gibt es auf der Website www.schulaerzte.at zum Download.

Weitere Informationen finden Eltern auch beim Club Mondkind, einer Anlaufstelle für Familien mit betroffenen Kindern. Der Verein ist seit Jahren in diesem Bereich aktiv und bietet Familien Information und Unterstützung (www.clubmondkind.at).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben