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Urologie 21. August 2014

Aufsparen bringt es nicht

Die Spermienqualität ist besser, wenn der Abstand zwischen den Ejakulationen kürzer ist.

Kleinere Abstände zwischen Ejakulationen verringern zwar das Spermavolumen und die Spermiendichte, die Samenqualität profitiert aber offenbar von höherer Frequenz.

Wie groß sollte der Abstand zwischen Ejakulationen sein, damit bei unfruchtbaren Paaren die intrauterine Spermieninjektion ein Erfolg wird? US-Reproduktionsmediziner um Dr. Paul Marshburn vermuteten, dass Spermien durch eine erhöhte Ejakulationsfrequenz den schädlichen Einflüssen reaktiver Sauerstoffspezies nur kurz ausgesetzt sind und dadurch deren Lebensfähigkeit und Funktion verbessert wird.

Um das zu überprüfen, testeten die Wissenschaftler mithilfe eines kommerziell erhältlichen Assays in einer prospektiven Studie die Auswirkung einer erhöhten Ejakulationsfrequenz auf die totale antioxidative Kapazität (TAC) des Seminalplasmas. Außerdem wollten sie wissen, ob auch die Lipidperoxidation in den Membranen der Spermien beeinflusst wird.

An der Studie nahmen Männer von 40 unfruchtbaren Paaren teil, bei denen eine intrauterine Insemination vorgesehen war. Vor Studienbeginn hatten die Paare zwischen ein- und zweimal pro Woche Geschlechtsverkehr. Zuvor ausgeschlossen waren Raucher, Männer mit Varikozelen sowie Männer mit der Revision einer Vasektomie.

Außerdem durften Männer nicht teilnehmen, wenn sie etwa Vitamin E und C oder Coenzym Q und Glutathion einnahmen oder innerhalb der vergangenen sechs Monate eine Infektion des Genitale hatten.

Lipidperoxidation blieb unbeeinflusst

Unter anderem der TAC-Test und die Überprüfung der Lipidperoxidation wurden zunächst nach vier Tagen ohne Ejakulation vorgenommen und dann einen Tag später erneut. Durch den verkürzten Abstand zwischen zwei Ejakulationen verringerten sich erwartungsgemäß das Spermavolumen um 24 Prozent, die Spermiendichte um 3,2 Prozent und die Gesamtzahl der Spermien um 28,4 Prozent. Unter anderem auf die Motilität und die Zahl der normal geformten Spermien hatte die Verkürzung des Abstands keinen Einfluss.

Schließlich ergab der TAC-Test nach kürzerem Ejakulationsabstand signifikant höhere photometrisch gemessene Werte als nach einem Abstand von vier Tagen: Die jeweiligen Proben enthielten mehr antioxidativ wirksame Substanzen, die reaktive Sauerstoffmoleküle, etwa von alternden Spermien oder von polymorphkernigen Leukozyten, unschädlich machen.

Das Ausmaß der Lipidperoxidation, gemessen anhand der Malondialdehyd-Konzentration im Seminalplasma, wurde durch eine Erhöhung der Ejakulationsfrequenz nicht beeinflusst. Der Schutz der Spermien vor Schäden durch oxidativen Stress sei somit offenbar ganz unabhängig von der Lipidperoxidation der Spermienmembranen möglich, so die Reproduktionsmediziner. Ihrer Ansicht nach liefern die Ergebnisse der prospektiven Studie die Grundlage dafür, vor einer In-vitro-Fertilisation einen Ejakulationsabstand von ein bis zwei Tagen zu empfehlen. Sie halten es für möglich, dass sich dadurch die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung erhöht. Unklar bleibt, wie groß die Menge reaktiver Sauerstoffmoleküle im Seminalplasma war und aus welchen Regionen der akzessorischen Drüsen sie stammten.

Originalpublikation: Marshburn PB el al.: Fertil Steril 2014; online 30. Juni

springermedizin.de, Ärzte Woche 29/34/2014

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