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Urologie 17. April 2014

Mann redet nicht gerne darüber ...

Der Leidensdruck bei Ejaculatio praecox ist groß und EP weiter Tabu.

Die Zahlen zur Häufigkeit schwanken stark. Männer reden von sich aus eher nicht mit dem Arzt darüber – obwohl sie gerne würden. Die Prävalenz des vorzeitigen Samenergusses, die Ejaculatio praecox (EP), ist deshalb bisher eher schlecht erforscht. Hinzu kommt, dass Ärzte die Häufigkeit unterschätzen, die bei etwa 25 Prozent liegen dürfte. Für die Betroffenen stellt sie jedenfalls eine Belastung dar. Und das ist auch ein psychischer Teufelskreis.

Ein Teil der Fälle der EP dürfte eine neurobiologische Ursache mit dem Hintergrund einer zentralen serotonergen Hypoaktivität haben, wodurch der Ejakulationsreflex unzureichend biochemisch gehemmt wird. Man nimmt an, dass die Betroffenen mit lebenslanger EP an einem kongenitalen Ungleichgewicht der 5-HT-(5- Hydroxytryptamin)-Rezeptoraktivität mit verminderten 5-HT-Spiegeln leiden. „Psychophysiologisch“, so Mathers und Sommer (1), „scheint es ein dysfunktionelles Antwortmuster für die EP zu geben.“ Der physiologische Ablauf wird psychisch als belastend empfunden, was häufig zu einer Verstärkung der Fehlfunktion führt.

Informationsbedarf unter den Allgemeinmediziner

Die psychischen Ursachen haben nach Meinung niedergelassener Ärzte eine dominierende Bedeutung für das Auftreten einer Ejaculatio praecox, wie eine Umfrage in Deutschland kürzlich ergab. Jeder dritte Teilnehmer nannte als häufigste Ursache eine angeborene Störung im zentralen Serotonin-Transporter-System. Weit mehr als die Hälfte (57 Prozent) der vorwiegend Allgemeinmediziner gab hingegen eine psychische Belastungssituation als Hauptursache an. Fast drei Viertel (74 Prozent) nannten eine Prävalenz von unter 20 Prozent, mehr als jeder dritte (35 Prozent) sogar von unter zehn Prozent. Nur jeder fünfte gab die Prävalenz mit der heute allgemein geschätzten Häufigkeit von 21 bis 30 Prozent an. Die naturgemäß stark subjektive Betroffenheit ist für den Leidensdruck ausschlaggebend. Subjektiv ist auch das Empfinden der Partner, was als störend erlebt wird. Die „gefühlte“ normale Durchschnittszeit von der Penetration bis zur Ejakulation liegt zwischen sieben und 14 Minuten, wobei Frauen diese Zeit etwas kürzer einschätzen als Männer.

Definition der primären EP nach internationalen Leitlinien

Für die lebenslange EP, also jene Form, die nicht durch äußere Lebensumstände erst später erworben auftritt, bietet die International Society for Sexual Medicine (ISSM) Leitlinien und eine Definition der EP als „eine männliche Sexualstörung“, die charakterisiert ist durch

• eine Ejakulation, die immer oder fast immer vor oder innerhalb von etwa einer Minute nach Einführen des Gliedes in die Scheide erfolgt;

• die Unfähigkeit zur Verzögerung der Ejakulation bei jeder oder fast jeder vaginalen Penetration;

• negative persönliche Folgen, wie etwa Leidensdruck, Ärger, Frustration und/oder die Vermeidung sexueller Intimität.

Für eine systematischere Erfassung und damit auch von Therapiemöglichkeiten liegt derzeit eine Einteilung vor, die neben der primären und sekundären EP, auch die Kategorien der variablen und natürlich vorkommenden EP vorschlägt. Darüberhinaus wird auf das Vorliegen des subjektiven Gefühls der EP, obwohl es keine objektiven Kriterien gibt, Rücksicht genommen.

Die Psyche spielt immer mit

Psychische Komponenten spielen jedenfalls bei der EP eine zentrale Rolle, auch wenn physiologische Ursachen zugrunde liegen. Eventuelle organische Ursachen sollten ausgeschlossen werden. Das Miteinbeziehen des Partners in die Behandlung führt in einigen Fällen bereits zum Erfolg und unterstützt alle weiteren Maßnahmen positiv.

Quelle: Michael J. Mathers, Frank Sommer: Ejaculatio praecox – ein Update in: Uro-News 2013; 17 (5): 38–43

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