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© Philip L. / panthermedia.net
Die interindividuelle Streubreite ist sehr groß, die ethnische Herkunft scheint dabei aber keine besondere Rolle zu spielen.
 
Urologie 25. Februar 2014

Die realen Penisgrößen

Endlich wahre Werte.

Wer hat den Längsten, wer den Dicksten? Solche Vergleiche sorgen zwar immer für mediales Aufsehen, sind aber selten seriös. Mit einem Trick wollten US-Forscher nun die wahren Penislängen ermitteln.

Haben die Deutschen oder Franzosen die längeren Penisse, sind es eher die Araber, Afrikaner oder Russen? Können Asiaten in dieser Frage überhaupt mithalten? Oder gibt es gar keine großen Unterschiede? Diese sicher nicht weltbewegenden Fragen dürfen trotz einiger Studien und großem medialem Interesse noch immer als unbeantwortet gelten. Ein Grund sind die unterschiedlichen Methoden in den Studien und das männliche Ego, das bei Selbstmessungen dazu tendiert, die wahren Dimensionen des Geschlechtsorgans um den einen oder anderen Zentimeter zu überschätzen.

Schaut man sich Studien in westlichen Ländern an, in denen medizinisches Fachpersonal die Längen- und Dickenmessung vornahm, dann waren die Ergebnisse aber erstaunlich konsistent: So lag der Penisumfang im Schnitt zwischen 11,9 und 12,3 cm. Etwas größer war die Varianz bei der durchschnittlichen Länge mit 12,9 bis 14,5 cm. Allerdings ergibt sich hier das Problem, dass so mancher Mann angesichts des medizinischen Personals sein Glied nicht in den Zustand maximaler Ausdehnung bekommt. Die wahren Ausmaße werden daher vielleicht unterschätzt. In manchen Studien wurden die Penisse zwar pharmakologisch erigiert, gelangten dabei möglicherweise aber ebenfalls zu unnatürlichen Längen.

Einen Ausweg aus dem Dilemma sahen US-Forscher um Debby Herbenick von der Universität in Bloomington in einem Trick: Sie suchten Freiwillige für einen Kondomtest. Bevor die Männer die Testkondome erhielten, mussten sie jedoch Länge und Umfang ihres Penis messen. Dabei wurde ihnen mitgeteilt, dass sie die Kondome nur beurteilen könnten, wenn sie ihnen exakt passen würden – sie sollten deswegen möglichst genau die Ausmaße ermitteln und den Forschern mitteilen. Da die Männer also ein Interesse hatten, passende Kondome zu bekommen, ging das Team um Herbenick davon aus, dass sie wenig geneigt waren, falsche Daten anzugeben.

Insgesamt konnten die Sexualmediziner knapp 1.700 Männer für die Untersuchung gewinnen, indem sie auf verschiedenen Online-Plattformen Werbung machten. Alle Männer erhielten eine ausführliche Messanleitung.

Die Ergebnisse: Im Schnitt gaben die Männer eine durchschnittliche Länge von 14,15 cm und einen Umfang von 12,23 cm an – die Werte lagen damit im oberen Bereich dessen, was auch in Studien mit Messungen durch Fachpersonal ermittelt wurde. Die niedrigste Längenangabe fiel mit 4 cm aus, die höchste mit 26 cm.

Bei den meisten Teilnehmern (83%) handelte es sich um weiße Amerikaner. Bei ihnen lag die Länge im Schnitt bei 14,18 cm, der Umfang bei 12,25 cm. Asiaten (9%) zeigten kaum eine Abweichung davon (Länge 14,12 cm, Umfang 12,10 cm). Afroamerikaner glänzten mit einem etwa 5mm längeren Penis, allerdings stellten sie nur knapp zwei Prozent der Befragten. Noch länger war der Penis nach eigenen Angaben nur noch bei den acht teilnehmenden Pazifik-Insel-Bewohnern mit 14,88 cm, am kürzesten fiel er bei den 14 Native-Americans mit 12,86 cm aus. Allerdings sind die Angaben aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen für einen Vergleich zwischen den Ethnien nicht geeignet. Die Frage, wer den Längsten hat, muss dann wohl doch in großen internationalen Studien geklärt werden.

Originalpublikation: Herbenick D et al. Erect Penile Length and Circumference Dimensions of 1,661 Sexually Active Men in the United States. J Sex Med 2013, online 10. Juli; doi: 10.1111/jsm.12244

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 9/2014

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