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Urologie 12. Dezember 2013

Potent in der Andropause

Laut statistischen Erhebungen nimmt die Häufigkeit sexueller Aktivität bei Männern mit dem Alter ab: Die Frequenz fällt von durchschnittlich 78-mal/Jahr im Lauf der Jahre auf durchschnittlich 23-mal/Jahr. Die Libido bleibt aber bis zum 70. Lebensjahr im Schnitt gleich hoch. „Außerdem zeigt sich, dass die Frequenz der sexuellen Aktivität bei denjenigen Männern, die in einer Partnerschaft leben, mit zunehmendem Alter nicht so stark fällt wie bei alleinstehenden Männern“, berichtet Dr. Franklin Kühhas von der Universitätsklinik für Urologie, Wien, und schließt aus den Daten: „Männer haben in jedem Alter Lust auf Sex und tun es auch, sofern sie können.“

Veränderungen akzeptieren

Während sich also bei der Frage „Wie oft?“  kaum altersabhängige Veränderungen bei Männern zeigen, gibt es sehr wohl qualitative Veränderungen der sexuellen Reaktion im höheren Lebensalter: Es dauert länger, bis es zur Erektion kommt. Die Rigidität des Penis kann gegenüber jüngeren Jahren vermindert sein. Auch die Zeit bis zur Ejakulation verlängert sich, genauso wie die Rückbildungsphase, also die Zeit, die nach einem Orgasmus nötig ist, bis eine neue Erektion möglich wird. Der Orgasmus selbst wird von älteren Männern oft als kürzer und weniger klar erkennbar empfunden, der Drang zu ejakulieren als weniger stark.

Wichtig ist, meint Kühhas, diese natürlichen Veränderungen der Sexualität zu akzeptieren und nicht als Verschlechterung zu empfinden: „Das Festhalten an Normen von sexuellen Leistungen im Jugendalter kann zu Versagensängsten und der Entwicklung erektiler Dysfunktion führen.“

Sexkiller Lebensstil

Der weitaus häufigere Grund für erektile Dysfunktion ist aber ein ungesunder Lebensstil: Hypertonie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie und Übergewicht verursachen endotheliale Dysfunktionen und in der Folge Atherosklerose, die sich in den penilen Gefäßen – aufgrund des kleinen Arteriendurchmessers – als erstes manifestieren kann. Aufgabe des Arztes ist es, so Kühhas, den „Patienten zu vermitteln, wie sehr Lifestyle-Änderungen die Potenz positiv beeinflussen können.“

Weitere mögliche Auslöser für erektile Dysfunktion sind postoperative Nervenschädigungen, z.B. nach radikaler Prostatektomie, Drogen und Medikamente sowie hormonelle Störungen. Therapie der ersten Wahl sind heute die PDE-5-Hemmer, die kurzwirksam oder langwirksam zur Verfügung stehen. Dennoch sind sie kein „Wundermittel“, sagt Kühhas. Fettreiche Ernährung und Alkohol können die Wirkung schmälern bzw. den Wirkeintritt zeitlich verzögern. In manchen Fällen muss auch die Dosis erhöht werden.

Vakuumpumpe und Co.

Eine ältere, aber immer noch häufig verwendete Behandlungsmöglichkeit der erektilen Dysfunktion ist die Vakuumpumpe: In einem luftdicht abgeschlossenen Zylinder wird mittels Pumpe ein Unterdruck auf den Penis erzeugt. Dadurch strömt Blut in die Schwellkörper ein. Der venöse Rückfluss des Bluts wird anschließend durch einen Penisring verhindert. Diese Methode ist laut Kühhas sehr erfolgreich, allerdings ist die Patientenzufriedenheit schwankend. Als nachteilig wird die umständliche Handhabung empfunden. Außerdem wird die durch venöse Stauung hervorgerufene Schwellung von manchen Männern (und auch ihren Partnerinnen) als „kalte“ Erektion beschrieben: der Penis ist zwar steif, aber nicht warm, der Mann empfindet ein Kältegefühl.

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Verabreichung von Alprostadil (Prostaglandin E1, PGE1), das entweder in die Schwellkörper injiziert oder in die Harnröhre getropft wird.

Sehr hohe Patientenzufriedenheit erreicht laut Kühhas die operative Implantation einer Penisprothese, wobei es sich eigentlich nicht um eine wirkliche Prothese handelt – „der Penis wird ja nicht ersetzt“ -, sondern um einen „Schwellkörperstabilisator“. Nachteilig sind die hohen Kosten, die je nach Modell zwischen 2.000 und 7.500 Euro liegen und nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Quelle: Vortrag im Rahmen des Kongresses „Menopause – Andropause – AntiAging“, 5.- 7. Dezember 2013, Wien

C. Lindengrün, springermedizin.at

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