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© faberfoto_it / iStockphoto
 
Urologie 12. September 2013

Wiegen statt zählen

Die Anzahl der verwendeten Vorlagen sagt wenig über den Schweregrad der Inkontinenz aus.

Wer das Ausmaß einer Harninkontinenz objektiv bestimmen will, kommt nicht darum herum, die von den Patienten im Laufe eines Tages benutzten Vorlagen zu wiegen. Zählen allein genügt nämlich nicht.

Die Zahl der Vorlagen, die inkontinente Patienten im Lauf von 24 Stunden verwenden, und der Schweregrad der Harninkontinenz korrelieren nur schwach. Im Zuge einer Studie mit 116 Patienten (65 Frauen und 51 Männer) erreichte der Korrelationskoeffizient nur einen Wert von 0,26 für Frauen und von 0,40 für Männer ( Tsui et al.: J Urol 2013; online 31. Mai ).

Statt der Zählung wird empfohlen, die während 24 Stunden verwendeten Vorlagen zu sammeln, zu wiegen und das Trockengewicht abzuziehen. Dabei gilt die Vorgabe, dass die Zunahme des Gewichts um 1g einem Urinverlust von 1ml entspricht.

Gewicht ist objektives Maß

Die an der Studie beteiligten Patienten litten an Drang- oder Stressinkontinenz bzw. an einer Mischform. Bei den Frauen überwog die Drang-, bei den Männern die Stressinkontinenz. Die Zahl der verbrauchten Vorlagen schwankte zwischen 1 und 15, das Inkontinenzvolumen lag zwischen 0 und 3.110 ml, sowohl je Vorlage wie je 24 Stunden.

Die Erkenntnis mag banal erscheinen, dass inkontinente Patienten ihre Vorlagen aus verschiedenen Gründen wechseln oder nicht wechseln, ein objektives Maß somit nur über das Gewicht zu definieren ist. Dennoch wird selbst zu Studienzwecken noch immer auf die Zahl der Vorlagen als Messgröße für Inkontinenz zurückgegriffen. Die New Yorker Studie zeigt, weshalb das nicht funktionieren kann: Einige Studienpatienten fühlen sich bereits unwohl, nachdem 20 ml Urin in die Vorlage abgegangen sind, andere wechseln erst, wenn die Vorlage einen vollen Liter aufgesaugt hat. Manche Betroffene legen feuchte Vorlagen aus Sparsamkeit auch zum Trocknen aus und verwenden sie dann erneut, zählen sie aber nur einmal.

springermedizin.de, Ärzte Woche 37/2013

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