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Prof. Dr. Engelbert Hanzal , Leiter der Urogynäkologischen Ambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien
 
Urologie 6. September 2013

Nachts aufs Klo?

Neue Webseite informiert über nächtlichen Harndrang.

Wer regelmäßig nachts aufwacht, um eine volle Blase zu entleeren, sammelt mit der Zeit beträchtliche Schlafschulden an. Eine dauerhaft gestörte Nachtruhe hat Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit. Vor allem ältere Menschen riskieren zudem auch nächtliche Unfälle und Knochenbrüche. Rasche ärztliche Abklärung und Behandlung sind daher wichtig - Information und Anlaufstellen gibt’s auf der neuen Info-Plattform www.nachtsaufsklo.at.

Nachts aufstehen müssen, um auf die Toilette zu gehen, ist lästig. Vermehrte nächtliche Ausflüge (medizinisch: Nykturie) sind aber meist mehr als das: „Übermäßiger nächtlicher Harndrang kann Anzeichen einer ernst zu nehmenden Erkrankung wie Diabetes mellitus, Herz- oder Nierenschwäche sein , und weitreichende Folgen wie z. B. Schlafstörungen und nächtliche Unfälle durch Stürze haben“, erinnert Prof. Dr. Engelbert Hanzal, Leiter der Urogynäkologischen Ambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde , Wien. „Betroffene leiden etwa doppelt so häufig unter Depressionen, Stimmungsschwankungen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwäche wie Menschen ohne Nykturie.“

Ärztliche Hilfe ist angezeigt, wenn zwei oder mehr nächtliche Toilettenbesuche die Regel sind, bzw. ein Drittel der gesamten täglichen Harnmenge nachts ausgeschieden wird. Die Ursachen sind vielfältig, eine davon ist ein Mangel am Botenstoff ADH (antidiuretisches Hormon), das den Wasserhaushalt im Körper steuert und nachts den Harn in der Niere konzentriert. Fehlt es bzw. wird es in zu geringem Ausmaß im Zwischenhirn produziert, wird die Blase unentwegt mit Harn gefüllt.

Häufiges und unterschätztes Leiden

In Österreich wachen knapp 11 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen ab 20 Jahren öfter als zweimal pro Nacht wegen einer vollen Blase auf (Schatzl G. et al.: Urology 2000). Je älter wir werden, desto eher stört eine volle Blase den Schlaf. Bei den über 70-Jährigen macht der Harndrang bereits bei mehr als 40 Prozent die Nacht zur Qual. „Obwohl ausgezeichnete und rasche Hilfe möglich ist, werden ganz wenige Betroffene adäquat therapiert“, so Hanzal. Von fast der Hälfte der zahlreichen Betroffenen wird der nächtliche Toilettenbesuch als natürliche Folge des Älterwerdens interpretiert, aber nicht als Ausdruck einer Krankheit (Chen F. et al.: Int Urogynecol J Pelvic Floor Dysfunct 2007).

Info und Rat auf neuer Webseite

Um auch Erwachsenen einen Wegweiser zur raschen Hilfe und Abklärung ihres nächtlichen Problems zu geben, geht nun der Verein Club Mondkind - Anlaufstelle für Familien mit bettnässenden Kindern - mit dem neuen Info-Portal www.nachtsaufsklo.at an den Start.

Neben Information rund um Ursachen und Folgen einer unbehandelten nächtlichen Harnflut sowie Therapiemöglichkeiten, wie z.B. der Ersatz des Botenstoffs ADH, steht eine Liste an Ärzten, bei denen Betroffene Hilfe finden, auf der neuen Webseite bereit.

Club Mondkind/CL, Ärzte Woche 37/2013

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