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Urologie 12. August 2013

Mehr Hernien-OPs nach Prostatektomie

Die radikale retropubische Prostatektomie ist mit der höchsten Hernieninzidenz assoziiert.

Ein chirurgischer Eingriff wegen einer Hernie ist laut einer schwedischen Studie nach radikaler Prostatektomie wegen eines Karzinoms viermal häufiger als bei Männern ohne Prostatakarzinom. Gründe könnten außer in postoperativen Veränderungen der Bauchdecke auch darin liegen, dass wegen des erhöhten Risikos Chirurgen vermehrt auf solche Komplikationen achten.

Um den Zusammenhang zwischen Hernien-OP nach Entfernung der Prostata und bei Männern der übrigen Bevölkerung ohne Krebs genauer zu untersuchen, wurden schwedische Registerdaten ausgewertet ( Nilsson H et al.: Ann Surg 2013 ).

Retropubischer Zugang bei den meisten Männern

In die Auswertung gelangten die Befunde von mehr als 28.600 Männern mit Prostatektomie und von mehr als 105.400 Männern der übrigen Bevölkerung ohne Prostatakarzinom. Bei 4.650 Männern erfolgte die radikale Prostatektomie minimalinvasiv und bei 14.802 über den retropubischen Zugang. 9.156 Männer mit Prostata-Ca wurden bestrahlt. Im Zusammenhang mit der Hernien-OP fassten die Autoren die Angaben zu Leisten- und Schenkelhernien zusammen.

Sechs Jahre nach der Krebsbehandlung hatten 14% der Männer mit retropubischer Prostatektomie eine Hernien-OP, 10% der Männer nach minimalinvasivem Eingriff und nur 8% der ausschließlich bestrahlten Männer. Am häufigsten waren in allen drei Patientengruppen Operationen wegen indirekter Leistenhernien, also lateral der epigastrischen Gefäße.

Inzidenz auch nach Radiatio erhöht

Im Vergleich zur Inzidenz solcher Operationen in der übrigen Bevölkerung war diese bei Männern nach retropubischer Prostatektomie um fast das Vierfache höher (Hazard Ratio, HR: 3,95; 95% CI 3,70–4,21), nach minimalinvasivem Eingriff um mehr als das Dreifache (HR = 3,37; 95%CI 2,95–3,87). Selbst nach einer Strahlentherapie war die OP-Inzidenz im Vergleich zu Männern in der übrigen Bevölkerung fast doppelt so hoch (HR = 1,84; 95% CI 1,66–2,04).

Mit einem Anteil von 77% war die Inzidenz lateraler Leistenhernien nach retropubischer radikaler Prostatektomie am höchsten. In der Kontrollgruppe lag sie bei nur 53%.

Weil sogar bei Männern mit Bestrahlung die Inzidenz der Hernien-OP im Vergleich zur übrigen männlichen Bevölkerung deutlich höher lag, gehen die schwedischen Chirurgen davon aus, dass dies sowohl in anatomischen Veränderungen durch die Behandlung als auch in der verstärkten Wachsamkeit der behandelnden Ärzte begründet liegt, wobei Registerstudien natürlich nicht dazu geeignet seien, die Ätiologie zu ergründen.

springermedizin.de/ple, Ärzte Woche 28/33/2013

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