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© Martin K. / pantermedia.net
Bei großer Hitze werden selbst die Spermien träge.
 
Urologie 12. August 2013

Sommerhitze setzt Spermien zu

Ab 30°C lässt die Fertilität nach.

Vielleicht sind die nächsten Tage für die Reproduktion nicht gerade günstig: Bei Temperaturen über 30 Grad leidet auch die Spermienqualität. Für die Familienplanung sollte man daher vielleicht kühlere Tage wählen.

Zu viel Hitze ist für die Spermienproduktion eher ungünstig, das bezweifelt inzwischen kaum noch jemand. Schließlich sind die Hoden geradezu dafür optimiert, mit ihrer Lage außerhalb der Bauchhöhle, der gut durchbluteten Haut und den vielen Schweißdrüsen möglichst viel Wärme abzugeben und Hitzeschäden zu vermeiden.

Unterschiedliche Qualität im Wandel der Jahreszeiten

Was aber, wenn die Kühlung versagt, weil es draußen hochsommerlich heiß ist? Bisher war nicht so richtig klar, ob Sommerhitze den Spermien tatsächlich schadet – Studien zur Qualität der Spermien im Wandel der Jahreszeiten lieferten recht widersprüchliche Ergebnisse. Nun haben chinesische Urologen um Dr. Feng-Bin Zhang von der Universität Hangzhou einen neuen Anlauf gewagt und geprüft, ob es in China jahreszeitliche Schwankungen bei der Spermienqualität gibt.

Für ihre Studie wählten sie eine Samenbank in der Provinz Zhejiang. Dort ist das Klima von feuchtheißen Sommern und kurzen kühlen Wintern geprägt. Im Juli liegt die Durchschnittstemperatur bei 27 bis 30°C im Januar bei etwa 2 bis 8°C.

Die Urologen analysierten 13.600 Proben von Samenspendern. Sie gruppierten die Proben zunächst nach der Entstehungszeit: im Winter (17. Dezember bis 11. Februar), Frühjahr (12. Februar bis 14. April), Frühsommer (15. April bis 28. Juni), Hochsommer (29. Juni bis 3. September), Spätsommer (4. September bis 5. November) oder Herbst (6. November bis 16. Dezember).

Anschließend verglichen sie die Spermienqualität mit der durchschnittlichen Tageshöchsttemperatur in diesen sechs Jahreszeiten.

Spermien im Sommer häufig träge und defekt

Das Ergebnis: Sowohl das Volumen des Ejakulats als auch Konzentration und Motilität der Spermien machten im Zhejianger Hochsommer mit Tageshöchstwerten jenseits von 30°C einen deutlichen Knick – die Hitze scheint der Spermatogenese nicht zu bekommen. Am höchsten war das Probenvolumen im Frühjahr mit 3 ml, am niedrigsten im Hochsommer mit 2,3 ml.

Die Spermienkonzentration variierte zwischen 80 Millionen/ml im Hochsommer und 90 Millionen/ml zwischen Herbst und Frühjahr. Auch der Anteil motiler Spermien schwankte signifikant, aber nur gering zwischen 62,5% im Frühjahr und 61% im Hochsommer. Bei größter Hitze war zudem der Anteil von defekten Spermatozoen am höchsten (83%), am niedrigsten war er im Winter (81,4%).

Nur bei starker Hitze beeinträchtigt

Bei fast allen Qualitätsparametern ließ sich folglich ein signifikanter Unterschied zwischen Hochsommer und den übrigen Jahreszeiten ausmachen.

Dagegen waren die Unterschiede zwischen den anderen Jahreszeiten gering bis nicht signifikant. Eine deutliche Beeinträchtigung der Spermienqualität scheint folglich nur bei starker Hitze gegeben. Dies mag erklären, weshalb bisherige Studien zu recht inkonsistenten Ergebnissen führten.

Konsequenzen sind unklar

Ob die zwar gut messbare, aber insgesamt doch eher geringe Beeinträchtigung der Spermienqualität im Hochsommer Konsequenzen für die Familienplanung hat, können die Urologen um Zhang nicht sagen. Paarungswillige Mitteleuropäer mag vielleicht beruhigen, dass tropische Temperaturen, wie sie im Zhejianger Sommer den dortigen Hoden über mehrere Monate hinweg zusetzen, hierzulande doch eher selten sind.

Originalpublikation: Zhang XZ et al.: Seasonal variation in semen quality in China; Andrology 2013; 1: 639–643

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 28/33/2013

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