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Urologie 12. August 2013

Luft ist nicht schlechter als Wasser

Bessere Sichtverhältnisse bei der Zystoskopie.

Die Sichtverhältnisse, die sich bei der flexiblen Zystoskopie je nach Füllung der Blase mit Wasser oder Luft ergeben, haben spanische Urologen verglichen. Akute Hämaturien ließen sich im luftigen Medium besser erkennen.

Von den vier Elementen steht das Wasser dem Urologen naturgemäß am nächsten. Das mag auch einer der Gründe sein, weshalb kaum eine Zystoskopie ohne Anschluss an die Wasserversorgung erfolgt. Bei der starren Zystoskopie verschafft dies die Möglichkeit, Flüssigkeit in der Blase zirkulieren zu lassen.

100 Jahre alte Idee

In der Ära der flexiblen Zystoskope tut es aber statt Wasser vielleicht auch Luft. Karel Pawlik, Urologe und Gynäkologe, hat die Idee schon vor gut 100 Jahren vertreten, etwa in seiner Schrift „Über Harnleitersondierung beim Weibe und ihre praktische Verwendung“(1886). Sein jüngerer Kollege Alexandru Ciudin, Hospital Clínic Barcelona, und Mitarbeiter haben nun bei 352 Patienten nachgesehen, ob sich Befunde in der Blase mit Luft besser oder schlechter erkennen lassen als mit Wasser ( J Urol 2013 ).

Nach einer üblichen flexiblen Zystoskopie mit Wasser wurde von einem zweiten Untersucher mit einer 50-ml-Spritze Luft über das Zystoskop in die Blase gepumpt. Die Diagnosen in Wasser und Luft wurden anschließend in einer starren Zystoskopie überprüft und hinsichtlich ihrer Treffsicherheit verglichen.

Vorteile für Luft bei Hämaturie

Bei den 295 Patienten, die keine Hämaturie aufwiesen, zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen einer Zystoskopie mit Luft oder mit Wasser. In jeweils 43 Fällen wurden die Patienten zur starren Zystoskopie geschickt. Mit flexibler Wasserzystoskopie waren 76 Tumorherde diagnostiziert worden; drei Befunde waren falsch positiv, einer falsch negativ. Die Luftzystoskopie erkannte auf 67 Herde, sieben Befunde waren falsch negativ, keiner falsch positiv. In der starren Zystoskopie wurden insgesamt 74 Tumorherde festgestellt.

In der Beurteilung der 57 Fälle von akuter Hämaturie waren die besseren Sichtverhältnisse in der luftgefüllten Blase allerdings klar von Vorteil. 32 der 36 blutenden Blasentumoren und 17 der 21 Prostatablutungen konnten erfolgreich identifiziert werden, was einer Trefferquote von 86% entspricht. Im Wasser hingegen ließ sich die Blutungsquelle nur bei 22 Patienten (38%) ausmachen (17 Tumoren, 5 Prostatablutungen). Zusammengefasst lag die Sensitivität der flexiblen Luftzystoskopie für Tumorblutungen in der Blase bei 88% gegenüber 47% mit Wasser als optischem Medium. Die Spezifität erreichte hier 97% in Luft bzw. 100% in Wasser.

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/33/2013

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