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Urologie 6. Juni 2013

Jeder dritte Diabetiker hat eine retrograde Ejakulation

Fertilität eingeschränkt.

Neuropathische Störungen sind eine mögliche Ursache der retrograden Ejakulation (RE). Und so liegt es eigentlich nahe, dass Diabetiker davon betroffen sein können. Obgleich bei bekannter RE der Verdacht auf das Vorliegen eines Diabetes besteht, ist über die allgemeine Prävalenz der RE bei Diabetikern wenig bekannt.

Ein dänisches Team hat nun versucht, diese Wissenslücke zu schließen ( Fedder J et al.: Andrology 2013 ). Zwar nahmen nur 26 Diabetiker und 16 Kontrollpersonen (im Mittel zwischen 40 und 50 Jahre alt) an der Studie teil; um statistisch stichfest zu belegen, dass Diabetiker erstaunlich häufig eine RE aufweisen, reichte die Probandenzahl jedoch aus: Bei neun der 26 Studienteilnehmer mit Diabetes, also bei 34,6%, wurde die Samenflüssigkeit zumindest teilweise in Richtung Harnblase ausgestoßen.

Die Suche nach Faktoren, die mit Diabetes und RE assoziiert sind, verlief ergebnislos. Weder der Body-Mass-Index noch der Taillenumfang, auch nicht der Blutdruck, HbA1c, HDL-Cholesterin, Trigylzeride, Nüchternglukose oder der Testosteronspiegel standen bei den betroffenen Diabetikern in einem Zusammenhang mit RE. Ebenso wenig ließ sich die RE auf die Einnahme bestimmter Antihypertensiva, etwa Betablocker, zurückführen. Diabetiker mit RE litten allerdings im Mittel schon länger an der Stoffwechselstörung als Diabetiker ohne RE, nämlich 20 vs. 13 Jahre. Statistisch signifikant war diese Differenz jedoch nicht; dafür war die Teilnehmerzahl dann doch zu gering.

„Wenn Fertilitätsmediziner es mit Diabetikern zu tun haben, die seit Jahren an der Erkrankung leiden und eine Aspermie bzw. sehr kleine Ejakulatvolumina aufweisen, sollten sie eine post-ejakulatorische Urinanalyse veranlassen“, meinen die Autoren. Falls die Spermatozoenzahl ausreicht, könnten aus solchem Urin eventuell sogar Spermien für die künstliche Befruchtung gewonnen werden.

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2013

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