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Urologie 18. März 2013

Harnwegsinfekt nach Beckenbodenchirurgie

Deutlich mehr Infektionen bei positiver Urinkultur am Operationstag.

Trotz perioperativer Antibiotikatherapie ist bei Frauen nach einer Beckenbodenchirurgie mit positiver Urinkultur am Tag des Eingriffs die Rate der Harnwegsinfektionen deutlich erhöht. In einer kleinen US-Studie war der Anteil positiver Kulturen am Tag der OP viel höher als erwartet.

Zwei große US-amerikanische Studien brachten zutage, dass nach einer Beckenbodenchirurgie wegen eines Prolapses oder einer Harninkontinenz die Rate postoperativer Harnwegsinfektionen zwischen sieben und 24 Prozent liegt. Bei fast jeder zweiten älteren Frau, bei der eine obliterative Beckenbodenchirurgie vorgenommen wurde, kommt es postoperativ zu solchen Infektionen.

Typische Uropathogene in jeder zehnten Probe

Dr. Cynthia S. Fok von der Universität von Chicago und Kollegen prüften in ihrer Studie mit 284 Teilnehmerinnen, ob eine positive Urinkultur am Tag der Operation ein Risikofaktor für spätere Harnwegsinfektionen ist. Als positiv wurde ein Testergebnis gewertet, wenn eine Kultur mindestens 1.000 Bakterienkolonien pro Milliliter enthielt.

Insgesamt waren 9,4 Prozent der am Operationstag vorgenommenen Urinkulturen positiv. Sie enthielten typische Uropathogene wie E. coli, Pseudomonaden, Klebsiellen und Staphylokokken, aber auch Corynebakterien, Streptococcus agalactiae und Laktobazillen.

Keine späteren Komplikationen

Zehn Patientinnen mit positivem Test wurden postoperativ antibiotisch behandelt. Bei keiner Patientin kam es jedoch später zu Komplikationen der Infektion, etwa zu einer Pyelonephritis oder Urosepsis.

Im Vergleich zu Patientinnen mit negativer Urinkultur war bei Patientinnen mit positivem Test der Anteil der Frauen drastisch erhöht, die trotz standardmäßig perioperativ verabreichter Antibiotika nach dem Eingriff Harnwegsinfektionen entwickelten, und zwar 29,6 versus 5,6 Prozent - mit p = 0,005 ein statistisch signifikanter Unterschied. Gelänge es, jene Frauen zu identifizieren, bei denen die Wahrscheinlichkeit für positive Urinkulturen am Tag des Eingriffs deutlich erhöht ist, könnten postoperative Harnwegsinfektionen leichter abgewehrt werden, wie die Autoren meinen. Leider hätten sie solche Faktoren in ihrer kleinen Studie nicht ausmachen können. Um die Harnwegsinfektionen zu verhindern, reicht zudem möglicherweise eine einmalige intravenös verabreichte Antibiotika-Applikation nicht aus, wie frühere Studien vermuten lassen.

Quelle: Fok CS et al.: J Urol 2012; online 4. Dezember

springermedizin.de/ple, Ärzte Woche 12/2013

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