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© oscar williams/fotolia.comMMW 34-35/20102.8.2010 Publikationsname / Publikationsnummer / E-Tag TT.MM.JJJJ (optional)Ärzte Woche 9, 28.02.2013*** Local Caption *** © oscar williams - Fotolia
Ein großer Teil der Senioren ist noch sexuell aktiv.
 
Urologie 25. Februar 2013

Sexualität nach der Prostata-OP

Für Männer wichtiger als für ihre Frauen.

Potent bleiben nach der radikalen Prostatektomie – Männer legen darauf besonders viel Wert. Zwei Drittel hoffen, dass nach dem Eingriff die sexuelle Funktion erhalten bleibt. Dagegen ist dies nur für ein Drittel ihrer Partnerinnen wichtig.

Tumorfreiheit, Kontinenz und Erhalt der sexuellen Funktion – das sind bekanntlich die wichtigsten Therapieziele bei der chirurgischen Behandlung von Prostatakrebs. Doch wie wichtig ist die sexuelle Funktion für Paare mit einem an Prostatakarzinom erkrankten Mann tatsächlich? Dieser Frage gingen Forscher um Dr. Yoshikazu Sato aus Japan nach.

Für eine Studie hatten sie Daten von 162 Paaren vor und bis zu einem Jahr nach einer retropubischen radikalen Prostatektomie ausgewertet. Dabei wurden sowohl die operierten Männern als auch ihrer Partnerinnen vor und nach der Operation zu sexuellen Einstellungen und Erwartungen sowie zur sexuellen Funktion befragt.

Insgesamt hatten vor der Operation 65 Prozent der Männer, aber nur 13 Prozent ihrer Partnerinnen angegeben, dass sie ein befriedigendes sexuelles Leben für sehr wichtig halten. Zwei Drittel der Männer hofften zudem, dass die erektile Funktion auch nach der OP erhalten bleibt, jedoch nur 33 Prozent der Frauen legten Wert auf einen postoperativ potenten Mann.

Aktivität und Interesse

Diese Einschätzung wurde sehr davon geprägt, wie sexuell aktiv die Studienteilnehmer vor der geplanten OP waren. Paare ohne Sex in den sechs Monaten vor dem Eingriff – das waren immerhin etwa drei Viertel – zeigten erwartungsgemäß ein geringeres Interesse am Erhalt der sexuellen Funktion (58 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen), dagegen war das Interesse bei den wenigen noch sexuell aktiven Paaren sowohl bei Männern (85%) als auch bei Frauen (62%) sehr groß.

Zum Teil lassen sich die Unterschiede auch damit erklären, dass es um die Potenz der Männer bei den sexuell wenig interessierten Paare nicht besonders gut stand: Die Männer erreichten auf einer Skala zur sexuellen Funktion nur halb so hohe Werte wie die noch aktiven Geschlechtsgenossen. Nach der OP, die nur bei etwa 40 Prozent nerverhaltend erfolgte, hatte die Potenz dann tatsächlich drastisch gelitten. Auf einer 100-Punkte-Skala war der per Fragebogen ermittelte Wert von präoperativ im Schnitt 32 Punkten (etwa 50 Punkte bei den aktiven) auf etwa zehn Punkte ein Jahr nach dem Eingriff gesunken.

Bestes Potenzmittel sind Frauen

Interessanterweise schien die Potenz nach der OP auch von der sexuellen Haltung der Partnerin abzuhängen. Hatten die Partner vor der OP noch Sex, und waren sie beide der Ansicht, Sex ist wichtig, dann hatten sie auch nach einem Jahr noch häufiger Geschlechtsverkehr als Paare, bei denen lediglich der Mann an sexuellem Verkehr interessiert war (17% versus 11%).

Zudem war die sexuelle Funktion mit 12,2 versus 9,5 Punkten bei Männern in solchen Beziehungen deutlich besser, allerdings ärgerten sie sich auch am meisten über die reduzierte sexuelle Leistungsfähigkeit nach der OP. Vermutlich, so die Studienautoren, litten sie besonders darunter, die Bedürfnisse ihrer Frauen nicht mehr so gut befriedigen zu können, auf der anderen Seite schienen gerade diese Bedürfnisse zum Erhalt der Potenz beizutragen. So ist aus Studien mit PDE-5-Hemmern bekannt, dass viel Sex nach der OP – was dann häufig nur noch mit Medikamenten möglich ist – die Regeneration der männlichen Potenz begünstigt.

Mehr Sex im Westen

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Sex wird offenbar überschätzt. Da der Großteil der Partner schon vor dem Eingriff nicht mehr miteinander schlief, war das Enttäuschungspotenzial insgesamt entsprechend gering. Dies, so schreiben Sato und Mitarbeiter, ist aber offenkundig ein japanischer Sonderfall: Nach diversen Studien sind Japaner weltweit am wenigsten sexuell aktiv. In Studien zur Prostata-OP in der westlichen Welt war der Anteil von Paaren, die vor dem Eingriff dem Koitus frönten, doppelt so hoch wie in Satos Untersuchung (über 50% versus 20–30%).

Fazit

Es lohnt sich, vor einer Prostata-OP zu fragen, ob die Patienten und ihre Partner/-innen noch sexuell aktiv sind. Dies könnte für die Therapiewahl und eine postoperative Behandlung mit PDE-5-Hemmern sehr wichtig sein.

Originalpublikation:

Sato Y et al.: Int J Urol 2013; doi: 10.1111/iju.1202

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 9/2013

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