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© Yuri Arcurs / shutterstock.com
Erektionsstörungen führen nicht selten auch bei der Partnerin zu einer sexuellen Dysfunktion.
 
Urologie 25. Februar 2013

Erektile Dysfunktion

Ist das Thema heute medizinisch noch von Interesse?

Die medikamentöse Therapie der erektilen Dysfunktion (ED) erfuhr in den letzten Jahren entscheidende Verbesserungen. Erektionsstörungen können aber auch ein Alarmsignal für asymptomatische Komorbidititäten sein und sollten deshalb immer ernst genommen werden.

Sexuell aktiv zu bleiben bis ins höhere Alter bedeutet für die meisten ein Plus an Lebensqualität, erklärt Doz. Dr. Eugen Plas, Vorstand der Urologischen Abteilung am Hanuschkrankenhaus, Wien. Bestimmte altersbedingte Veränderungen wie hormonelle Störungen oder eine benigne Prostatavergrößerung können mit sexuellen Funktionsstörungen assoziiert sein. Tritt eine ED erstmals auf, kann dies aber auch auf systemische Gefäßerkrankungen, eine koronare Herzerkrankung, drohenden Schlaganfall oder Diabetes hinweisen. Plas zitiert dazu eine Studie aus dem Jahr 2005, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Schweregrad einer ED und dem relativen KHK-Risiko nachwies. Demnach ist bei einer mäßigen/schweren ED (IIEF5 5-16) das Risiko, innerhalb von zehn Jahren an einer KHK zu erkranken, um 65 Prozent erhöht (Ponholzer A et al.: Eur Urol 2005).

Peniler Stress

Als weitere Publikation führt Plas den sogenannten „Penile Stress Test“ an, an dem 50 kardial asymptomatische Männer mit ED teilgenommen hatten (Pritzker M et al.: Circulation 1999). Als Hauptrisikofaktoren wurden festgestellt: Nikotinkonsum (80%), Bewegungsmangel (76%), Hypercholesterinämie (70%) und Hypertonie (48%).

64 Prozent der Patienten mit ED wiesen eine positive KHK-Familienanamnese auf. Bei über der Hälfte dieser Männer zeigte das Belastungs-EKG pathologische Veränderungen, und die Koronarangiografie ergab bei 40 Prozent den Befund Hauptstammstenose. Es sei daher essenziell, so Plas, bei ED-Patienten nicht nur die Erektionsstörungen zu behandeln, sondern an mögliche Begleiterkrankungen zu denken.

Übertragung auf die Partnerin

Treten beim Mann sexuelle Funktionsstörungen auf, bleibt dies nicht ohne Folgen für das Sexualleben der Frau, betont Plas. So stelle die ED des Partners in einer ansonsten stabilen heterosexuellen Beziehung das größte Risiko für eine Frau dar, ebenfalls eine sexuelle Dysfunktion zu entwickeln.

Fazit

Die Frage, ob das Thema ED heute medizinisch noch von Interesse sei, beantwortet Plas mit einem eindeutigen Ja. Dabei komme der Aufdeckung, Behandlung und Prävention von Komorbiditäten im Zuge einer ED große Bedeutung zu. Leider seien noch keine prospektiven Untersuchungsprogramme vor allem für jüngere Männer mit erhöhtem Risikoprofil eingeführt, bedauert Plas.

Quelle: „Ist das Thema E.D. heute medizinisch noch von Interesse?“, Vortrag im Rahmen der Gemeinsamen Jahrestagung für Sexualmedizin und Sexualtherapie der OEASM und DGSMTW, 2012, Salzburg

springermedizin.de, Ärzte Woche 9/2013

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