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Virtuelles Mikroskop sucht CIS-Zellen im Ejakulat.
 
Urologie 8. Jänner 2013

Hodenkrebs: Software durchsucht Ejakulat nach Krebszellen

Eine computergestützte Mikroskopie des Ejakulats könnte in Zukunft dabei helfen, gefährdete Patienten zu identifizieren.

Patienten mit Hodenkarzinom haben ein erhöhtes Risiko für einen kontralateralen Tumor. Wegen des hohen Risikos für Zweittumoren werden bei Patienten mit Hodenkrebs oft kontralaterale Hodenbiopsien entnommen. Mit ihrer Hilfe können im gesunden Hoden Carcinoma-in-situ-Zellen (CiS) entdeckt werden, aus denen sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit invasive Zweittumore entwickeln.



Die Effektivität der Biopsie sei aber umstritten, betonte Kristian Almstrup von der Universität Kopenhagen. In einigen Ländern in Europa sowie in den USA werde kaum oder nur bei ausgeprägter Risikokonstellation biopsiert, in Ländern wie Dänemark oder Deutschland dagegen eher häufig.

Dr. Kristian Almstrup von der Abteilung für Wachstum und Reproduktion der Universität Kopenhagen stellte jetzt eine alternative, allerdings recht ressourcenintensive Methodik vor, die die kontralaterale Hodenbiopsie möglicherweise in Zukunft ergänzen könnte. Dabei wird das Ejakulat eines Patienten mit Hilfe eines virtuellen Mikroskops automatisch untersucht. „So entstehen riesige Bilddateien, die von einer Software analysiert werden“, so Almstrup. Gesucht wird nach CiS-Zellen, die bei Patienten mit intraepithelialen Neoplasien zumindest vereinzelt im Ejakulat vorkommen. Weil sie dort allerdings selten sind, ist die aufwändige, computergestützte Analytik nötig.

Hohe Spezifität der softwäregestützten Sperma-Mikroskopie


Almstrup und Kollegen konnten zeigen, dass die softwaregestützte Sperma-Mikroskopie eine extrem hohe Spezifität aufweist. Wenn CiS-Zellen gefunden werden, lässt sich das Carcinoma in situ praktisch immer per Biopsie bestätigen. Mit anderen Worten: Die Software erkennt die richtigen Zellen. Bei der Sensitivität gibt es dagegen noch Optimierungsbedarf. Sie liegt derzeit erst bei rund 70 Prozent.

„Wenn wir die Sensitivität verbessern wollen, müssen wir verstehen, unter welchen Bedingungen CiS-Zellen im Ejakulat auftauchen“, so Almstrup. Gelinge das, dann könnte das nicht-invasive Verfahren die Hodenbiopsie zumindest bei Patienten mit niedrigem Risiko für einen kontralateralen Tumor ersetzen. „Es könnte außerdem zur Methode der Wahl in Ländern werden, in denen bisher gar nicht biopsiert wird“, so der Experte.

European Congress of Andrology (ECA 2012); 30.11.2012; 13.30h; ECA Session 8 Testicular Cancer

springermedizin.de, springermedizin.at

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