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© Tommaso Lizzul / fotolia.com
Hüftfrakturen bei nächtlichen Toilettengängen scheinen für die erhöhte Mortalität verantwortlich zu sein.
 
Urologie 28. Oktober 2012

Schwache Blase – früher Tod

Prognosefaktor Nykturie.

Senioren über 60, die nachts mehr als zweimal zur Toilette müssen, sind offenbar gesundheitlich gefährdet. In einer Studie war bei männlichen Nykturiepatienten die Mortalität gegenüber blasenstarken Alters- und Geschlechtsgenossen signifikant erhöht. Dabei scheinen jedoch weder Diabetes mellitus noch ein Bluthochdruck eine Rolle zu spielen.

Der Drang, nachts Wasser lassen zu müssen, beeinträchtigt viele Männer fortgeschrittenen Alters. Dabei leidet offenbar nicht nur die Schlafqualität: Einige Autoren haben die Nykturie bereits mit Diabetes mellitus, Herzproblemen und einer erhöhten Mortalität in Zusammenhang gebracht.

Deborah J. Lightner und ihre Kollegen von der Mayo Clinic in Rochester, USA, haben nun insgesamt 2.447 Männer im Alter zwischen 40 und 79 Jahren über einen langen Zeitraum (im Mittel 17 Jahre) nachverfolgt und sie in Zweijahresabständen zur Häufigkeit nächtlicher Toilettengänge und im Verlauf der Studie neu aufgetretenen Gesundheitsproblemen befragt.

Kein höheres Risiko für Diabetes oder Hochdruck

Ihr Fazit: Wer nachts häufig „raus muss“, ist nicht etwa besonders gefährdet, zu einem späteren Zeitpunkt an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken. Dagegen sagen mehr als zwei nächtliche Gänge zum WC unter Umständen eine koronare Herzkrankheit und einen früheren Tod voraus.

Im Gesamtkollektiv waren zunächst keine deutlichen Assoziationen bestimmter Erkrankungen mit dem Harndrang zu erkennen. Erwartungsgemäß zeichnete sich jedoch eine starke Altersabhängigkeit des Symptoms ab, sodass die Forscher verschiedene Altersgruppen bildeten. Nur bei den jüngeren Männern unter 60 war die Wahrscheinlichkeit, später an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken, signifikant größer als bei blasenstarken Geschlechts- und Altersgenossen. Dieser Unterschied verlor sich allerdings weitgehend nach Herausrechnen von BMI und Einnahme von Prostatamedikamenten oder Präparaten gegen die hyperaktive Blase. Von den ursprünglich herzgesunden Männern hatten am Ende des Follow-up insgesamt 15,9 Prozent der Männer eine koronare Herzerkrankung entwickelt.

Mortalität bei den Senioren signifikant erhöht

Bei den über 60-Jährigen, und nur bei diesen, war dagegen eine deutliche Assoziation der Nykturie mit einem frühzeitigen Tod zu beobachten, und zwar unabhängig von KHK, BMI und Einnahme urologischer Präparate: Die Sterberate innerhalb des Beobachtungszeitraums war hier um fast 50 Prozent erhöht.

Dabei war sowohl das Hypertonie- als auch das Diabetesrisiko unterm Strich bei den jüngeren Männern kaum merklich größer, bei den älteren Männern sogar etwas niedriger als bei normaler Blasenfunktion. Insgesamt wurde bei 6,5 Prozent der Befragten nach Ablauf des Follow-up ein neu aufgetretener Diabetes mellitus diagnostiziert, ein neu aufgetretener Hypertonus bei 32 Prozent.

Die Nykturie ist zwar bekanntermaßen ein frühes Symptom einer Diabeteserkrankung, sie verschwindet jedoch in der Regel, wenn der Stoffwechsel gut eingestellt und für eine gute Diurese gesorgt ist, schreibt Lightner.

Sturzgefahr auf dem Weg zum WC

Frühere Studien hatten bereits einen Zusammenhang der Nykturie mit häufigeren Hüftfrakturen hergestellt. Dies führt die Autoren zu der Vermutung, dass die Senioren beim nächtlichen Austreten wohl leicht stürzen und sich dabei die Hüfte brechen, was in dieser Altersgruppe zur erhöhten Mortalität beitragen kann.

Quelle: Lightner DJ et al. : Nocturia is associated with an increased risk of coronary heart disease and death; BJU Int. 2012

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2012

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