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Rezidive und Knochenmetastasen traten unter Antikoagulanzien deutlich seltener auf.
 
Urologie 24. Oktober 2012

Länger leben mit ASS

Neue Hinweise auf antineoplastische Effekte von Acetylsalicylsäure.

Acetylsalicylsäure senkt die krankheitsspezifische Mortalität beim lokalisierten Prostatakarzinom, und zwar am effektivsten bei Hochrisiko-Patienten.

Immer deutlicher zeichnen sich aktuellen Forschungsprojekten zufolge Zusammenhänge zwischen Krebserkrankungen und dem Gerinnungssystem ab. So stellt sich die Frage, inwieweit Wirkstoffe, die in die Mechanismen der Blutgerinnung eingreifen, auch die Entwicklung und das Wachstum von Tumoren beeinflussen können. Schon in früheren Studien waren sowohl ein chemopräventiver Effekt als auch eine therapeutische Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) im Zusammenhang mit dem Prostatakarzinom aufgefallen.

In der aktuellen Studie wurden nun Daten der Cancer of the Prostate Strategic Urologic Research Endeavor Database von fast 6.000 Männern mit einem lokalisierten Adenokarzinom der Prostata ausgewertet. Die Männer hatten sich entweder einer radikalen Prostatektomie unterzogen oder eine Radiotherapie erhalten. 2.175 der Patienten standen zusätzlich unter Antikoagulation (Warfarin, Clopidogrel, Enoxaparin und/oder ASS).

Klare Vorteile bei der Zehn-Jahres-Mortalität

Nach zehn Jahren waren drei Prozent der Männer, die Antikoagulanzien eingenommen hatten, an ihrem Prostatakarzinom verstorben, aus der Kontrollgruppe dagegen acht Prozent. Auch Rezidive und Knochenmetastasen traten unter Antikoagulanzien deutlich seltener auf (28% versus 36%, bzw. 3% versus 6%).

Hochrisikopatienten profitieren von Aspirin

Um herauszufinden, welche Patienten besonders von Gerinnungshemmern profitieren, wurden Subgruppenanalysen herangezogen. Hier zeigte sich der größte Überlebensvorteil für Männer mit Hochrisiko-Karzinomen. Sie erreichten unter Antikoagulanzien eine krankheitsspezifische Zehn-Jahres-Mortalität von vier Prozent gegenüber 19 Prozent in der entsprechenden Kontrollgruppe.

Wie der Vergleich der verschiedenen Antikoagulanzien zeigte, war dies allerdings überwiegend dem Aspirin zuzuschreiben, das 84 Prozent der Männer dieser Gruppe einnahmen. Ob die Krebstherapie durch Prostatektomie oder Bestrahlung erfolgte, hatte dabei keinen Einfluss. Unter Berücksichtigung verschiedener Variablen sank die spezifische Mortalität unter ASS etwa um die Hälfte, während sich bei anderen Gerinnungshemmern kein signifikanter Effekt ergab.

Fazit der Autoren

Die Ergebnisse der Studie untermauern die Hypothese eines chemopräventiven und antineoplastischen Effekts von ASS. Daten, die hierzu schon für das Kolorektalkarzinom vorliegen, scheinen sich auch für das Prostatakarzinom zu bestätigen. Bevor allerdings eine Empfehlung für eine Begleittherapie gegeben werden kann, müssen die optimale Dosierung sowie mögliche Risiken in einer prospektiven Studie untersucht werden.

Quelle: Choe SK. et al.: JCO 2012, 30 (28) : 3540-44

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2012

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