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Urologie 24. Oktober 2012

Kontroverse TIN

Biopsie, Therapie oder abwarten?

Bei einer testikulären intraepitheliale Neoplasie (TIN) stellt sich die Frage, ob bereits diese oder erst der metachrone Tumor therapiert werden soll. Vor- und Nachteile müssen hier gegeneinander abgewogen werden.

Bei nur etwa fünf Prozent aller Patienten mit Hodentumor findet sich im kontralateralen Hoden eine testikuläre intraepitheliale Neoplasie, die sich allerdings nach sieben Jahren in 70 Prozent der Fälle zu einem invasiven Tumor entwickelt. Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmelz, Koblenz, riet trotz der geringen TIN-Inzidenz und angesichts der Tatsache, dass 48,8 Prozent der Patienten keine Risikofaktoren haben, alle Patienten unter 50 Jahren kontralateral zu biopsieren. Die geringe Komplikationsrate (~2,8%), die sehr geringe Revisionsrate (<0,5%) und die fast hundertprozentige Spezifität einer Doppelbiopsie rechtfertigen eine generelle Gewebeuntersuchung, um das Risiko besser abschätzen zu können.

Lässt sich eine TIN nachweisen, stellt sich die Frage, ob bereits die TIN oder erst der metachrone Tumor therapiert werden soll. Eine TIN lässt sich mit einer Radiotherapie (16–20 Gy) normalerweise gut behandeln (97% der TIN-Zellen werden zerstört). Allerdings werden Testosteronproduktion und Fertilität beeinträchtigt, nur in Einzelfällen wurden Männer mit TIN nach einer Bestrahlung Vater. Schmelz präsentierte Daten, die für eine verzögerte Therapie sprechen: Wenn der metachrone Tumor rechtzeitig erkannt wird (bevor Metastasen entstehen), sind weder Gesamtüberleben, Fertilität noch Testosteronproduktion schlechter als bei einer primären Radiatio der TIN. Besonders Patienten mit Kinderwunsch sollte daher bei entsprechendem Hormonstatus eine verzögerte Therapie nahegelegt werden.

Forumssitzung 9: Hodentumor (Kontroversen), 64. DGU-Kongress, Düsseldorf, 27. September 2012

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2012

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