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Urologie 10. September 2012

Verzichtbarer Befund

Sinnhaftigkeit der urodynamischen Untersuchung vor der OP wird angezweifelt.

Für jede Patientin mit Stressinkontinenz steht vor dem Eingriff die urodynamische Diagnostik. Dabei wird mithilfe von Drucksonden und Elektroden die Funktionsweise der Harnblase bestimmt. US-amerikanische Wissenschaftler stellen diese Praxis nun infrage, denn die Befunde haben, so ihre aktuelle Studie, keinen Einfluss auf den Operationserfolg.

Bereits in der Vergangenheit hatten eine Cochrane-Analyse und das britische National Institute for Health and Clinical Excellence den Nutzen dieser Untersuchung für den Operationserfolg angezweifelt, da sich die Indikation zur Operation vor allem am Leidensdruck der Patientinnen orientiert. Beide hatten kontrollierte Studien gefordert. Wissenschaftler des Urinary Incontinence Treatment Network liefern nun Ergebnisse.

An der Value of Urodynamic Evaluation (VALUE)-Studie beteiligten sich elf Zentren mit insgesamt 630 Patientinnen. Die Frauen litten seit mindestens drei Monaten an einer unkomplizierten Stressinkontinenz und hatten eingewilligt, sich einer Operation zu unterziehen. Waren diese Voraussetzungen erfüllt, wurden sie randomisiert entweder vor der Operation urodynamisch untersucht oder nicht. Als primären Endpunkt definierten die Autoren den Operationserfolg nach zwölf Monaten. Als erfolgreich galt eine Operation, wenn die Punktzahl im Urogenital Distress Inventory, ein Fragebogen zum Ausmaß der Beschwerden, um mindestens 70 Prozent gesunken war, und wenn die Patienten die Symptomatik im Global Impression Improvement als „sehr viel besser“ oder „viel besser“ bewerteten.

Die beiden Gruppen unterschieden sich in diesem Punkt nicht. Bei 76,9 Prozent der Frauen mit urodynamischer Diagnostik und bei 77,2 Prozent der Patientinnen ohne eine solche Funktionsanalyse war der Eingriff erfolgreich (Unterschied nicht signifikant). Auch in den sekundären Endpunkten Inkontinenzgrad, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit, Anteil der positiven Provokationsstresstests, Blasenentleerungsstörungen und Operationskomplikationen schnitten die beiden Gruppen ähnlich ab.

Befunde ohne Konsequenz

Zwar wurde bei Frauen mit urodynamischer Diagnostik seltener eine überaktive Blase und häufiger eine Blasenentleerungsstörung diagnostiziert als bei Frauen ohne weiterführende Diagnostik, doch das beeinflusste nicht die Wahl der Operationsmethode, so die Studienautoren. Fast 93 Prozent der Frauen beider Studiengruppen wurden mit einer spannungsfreien Urethraschlinge versorgt. Die Studienautoren sehen somit keinen Sinn in der routinemäßigen präoperativen urologischen Funktionsanalyse.

Quelle: Nager CW et al. : NEJM 2012

springermedizin.de, Ärzte Woche 37/2012

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