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Abwarten oder operieren? Die Kriterien für diese Entscheidung sind zu überdenken.
 
Urologie 14. August 2012

Kann die Prostatektomie warten?

Laut einer aktuellen Auswertung wiegt die Active Surveillance Patienten in falscher Sicherheit.

Selbst wenn bei der Auswahl von Prostatakarzinompatienten für die aktive Überwachung strenge Kriterien angelegt werden, hat die Hälfte der Patienten einen Tumor mit schlechter Prognose. Das hat jetzt eine retrospektive Untersuchung aus Frankreich an den Tag gebracht. In der Studie wurden Pathologiebefunde von Patienten ausgewertet, die nach den PRIAS-Kriterien für die Active Surveillance infrage gekommen wären, sich aber einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten.

Zur Vermeidung einer Übertherapie entscheidet man sich bei Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom immer häufiger für die aktive Überwachung. Die Kriterien für die Auswahl zur Active Surveillance sind international nicht ganz einheitlich. Nach den PRIAS-Kriterien ist sie vertretbar bei T1c-/T2-Tumoren, einem PSA-Wert ≤10 ng/ml, einer PSA-Dichte (PSAD) unter 0,2 ng/ml2, einem Gleason-Score unter 7 und maximal zwei positiven Stanzen. Doch nach den Ergebnissen der gerade publizierten französischen Studie sind diese Voraussetzungen noch lange nicht gleichbedeutend mit einer guten Prognose (El Hajj et al. Analysis of outcomes after radical prostatectomy in patients eligible for active surveillance (PRIAS). BJUI 2012).

Schlechte Prognose bei jedem zweiten Patienten

Bei 626 Prostatektomiepatienten, die präoperativ die PRIAS-Kriterien erfüllt hatten, stellte sich heraus, dass 20,6 Prozent bereits einen T3-Tumor und 44,9 Prozent einen Gleason-Score größer als 6 hatten. Damit hatte insgesamt die Hälfte der Patienten eine Krebserkrankung mit schlechter Prognose. Nach Einschätzung der Studienautoren sind die PRIAS-Kriterien daher „nicht ausreichend, um Patienten mit prognostisch günstigem Prostatakarzinom auszuwählen“.

Wie kann die Vorhersage verbessert werden?

Als zusätzliche Prädiktoren für einen aggressiven Krebs erwiesen sich in der Studie ein PSAD-Wert über 0,15 ng/ml2 sowie die Entnahme von weniger als 13 Stanzen. Ein günstiger Erkrankungsverlauf wurde dagegen durch ein Alter unter 65 Jahren, nur eine statt zwei positive Stanzen und mehr als zwölf Stanzproben vorhergesagt. Die Autoren empfehlen deswegen eine Modifikation der PRIAS-Kriterien: So sollten mindestens 21 Stanzbiopsien entnommen werden, um das Risiko zu mindern, dass ein aggressiver Tumor nicht als solcher erkannt wird. Zu einer frühen Re-Biopsie wird geraten, wenn beim ersten Mal nur zwölf Proben entnommen wurden und zwei von ihnen positiv waren. Außerdem könnte die Auswahl für die Active Surveillance verbessert werden, wenn bei der PSAD der Grenzwert auf unter 0,15 ng/ml2 abgesenkt würde.

springermedizin.de
, Ärzte Woche 29/33/2012

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