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Abb. 2: Der Altersdurchschnitt der urologisch tätigen Ärzte in Österreich ist 51,1 Jahre.

Abb.1: Die Anzahl der neuen urologischen Fachärzte pro Jahr ist in den letzten Jahren rückläufig, 2011 waren es noch 13.

 
Urologie 14. August 2012

Jung-Urologen sind Mangelware

Der Altersdurchschnitt der urologisch tätigen Ärzte in Österreich liegt bei 51,1 Jahren. Das heißt, dass in den nächsten zehn Jahren viele Neubesetzungen fällig werden. Es fehlt jedoch der urologische Nachwuchs.

Die urologische Facharztausbildung wird in den nächsten Jahren reformiert werden, eine Änderung wird 2013/14 erwartet.

Die Zukunft der Urologie muss sowohl unter berufspolitischen als auch demografischen Gesichtspunkten evaluiert werden. Grundlegend für diese Arbeit waren aktuelle Angaben der Bundesärztekammer Wien, der Statistik Austria, der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU) und eine Diskussionsrunde (Deutschland-Österreich-Schweiz) im Rahmen der 38. Gemeinsamen Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der ÖGU (Nürnberg, 2012).

Ärzte und Patientenzahlen

In Österreich sind nach aktuellem Stand 523 Urologen tätig, davon sind zwölf Prozent Frauen. Die Anzahl der neuen urologischen Fachärzte pro Jahr ist in den letzten Jahren rückläufig, 2011 waren es noch 13 (Abb. 1).

Im Jahr 2011 waren ungefähr zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung (›15. Lebensjahr) beim Urologen, das entspricht 713.000 ambulanten Besuchen. In der ambulanten urologischen Versorgung sind 201 Kassenarzt-Ordinationen gemeldet, zusätzlich 160 Wahlarzt-Ordinationen. Eine Wahlarzt-Ordination kann in Österreich ein Facharzt betreiben, auch wenn er in einer Klinik angestellt ist. Beim Wahlarzt hat der Patient je nach Krankenkasse einen Selbstbehalt (von 30 bis 60%).

Auf einen urologischen Kassenarzt kommen österreichweit 41.700 Einwohner. Nimmt man die urologischen Wahlärzte hinzu, kommt man auf 23.200 Einwohner/Ordination. Das Modell der urologischen Gemeinschaftspraxis wird überraschenderweise kaum praktiziert, obwohl es vom Gesetzgeber keine erschwerenden Auflagen gibt.

Es gibt 38 Uro-Kliniken, davon sind drei staatliche Unikliniken. Die stationäre Versorgung ergibt eine Uro-Klinik für 220.000 Einwohner, bzw. ein Uro-Bett für 6.250 Einwohner. Die durchschnittliche stationäre Verweildauer eines urologischen Patienten beträgt landesweit 3,5 Tage, mit einer Range von 3,7 (Tirol) bis 4,2 (Steiermark). Insgesamt wird ein urologisches Bett in Österreich durchschnittlich 76 Mal pro Jahr stationär belegt.

Der Altersdurchschnitt aller urologisch tätigen Ärzte (Klinik und Ordination) ist 51,1 Jahre. Für die Urologen mit Ordination (Kassenarzt und Wahlarzt) steigt dieses auf 53,4 Jahre, ohne Wahlärzte sogar auf 58,7 Jahre (Abb. 2).

Ausbildung

Die Facharztausbildung der urologischen Assistenzärzte unterliegt der ÖGU und orientiert sich an der EBU (European Board of Urology). Nach Erhalt der landesspezifischen Facharztreife kann durch eine mündliche Zusatzprüfung der Europäische Facharzt (FEBU, Fellow of the European Board of Urology) ergänzt werden.

Unter der Obhut der ÖGU sind diverse Arbeitskreise bei der Aus- und Weiterbildung der Urologen aktiv. Der Arbeitskreis für Assistenzärzte kümmert sich um organisatorische Angelegenheiten, z. B. Kongresse und freie Stellen. Die Ausbildungskommission beschäftigt sich mit den Facharzt-Prüfungsangelegenheiten. Die Fortbildungskommission ist für die Fortbildung der Fach- und Assistenzärzte verantwortlich, organisiert die Jahresversammlung in Linz mit ESU-Kursen (European School of Urology).

Seit vier Jahren gibt es ein Projekt der ÖGU, das ausschließlich der Ausbildung dient: die Austrian School of Urology (ASU). Allen Assistenten wird eine gesponserte, dreitägige Ausbildung angeboten werden. Diese orientiert sich nach dem Fragenkatalog der EBU, gleichzeitig werden auch die urologischen Randgebiete, wie z.B. Infektiologie, Dermatologie, Recht für Mediziner usw., abgedeckt.

Die urologische Facharztausbildung dauert sechs Jahre, davon sind vier Jahre Urologie. Die Gegenfächer müssen wie folgt belegt werden: 15 Monate Allgemein-Chirurgie, sechs Monate Interne Medizin und drei Monate Gynäkologie. Sollte ein Jus practicandi (Ausbildung zum Allgemeinmediziner) vorliegen, sind die Zeiten der Gegenfächer anrechenbar.

Momentan wird an einer Reform der Facharztausbildungen gearbeitet, eine Änderung wird 2013/14 erwartet. Für die Urologie soll es zu einer Reduktion der Gegenfächer auf neun Monate kommen, und der Auszubildende hat während seiner Ausbildungszeit einige fachspezifische Module zu belegen. Insgesamt befinden sich aktuell in den 38 Ausbildungskliniken 95 Assistenzärzte in der urologischen Facharztausbildung (das sind 2,5 Assistenten/Klinik). Dabei haben die drei Universitätsklinken mit ca. zehn Assistenzärzten/Klinik den Hauptanteil, in den restlichen 35 Abteilungen werden nur etwa 1,8 Assisten/Klinik ausgebildet.

Status der urologischen „Randgebiete“

Die Kinderurologie wird, bis auf eine hauptamtliche Abteilung in Linz, in der Regel durch die urologische Hauptabteilung oder aber die Kinderchirurgie mitversorgt. Nierentransplantationen werden österreichweit durch Chirurgie und Nephrologie betreut, die Urologie kommt hier im Bedarfsfall konsiliarisch zum Einsatz. Um die medikamentöse Tumortherapie konkurrieren die Urologie und die Interne Onkologie. Eine interdisziplinäre ambulante und stationäre Zusammenarbeit wird hierbei nur in Einzelfällen praktiziert. Die Andrologie ist fest in urologischer Hand und Bestandteil des Facharztes.

Zentren mit urologischer Beteiligung gibt es typischerweise im Bereich Inkontinenz (Beckenboden), Tumortherapie und Prostata. Landesweit entstehen momentan immer mehr interdisziplinäre Beckenbodenzentren, wobei die eigentlich zu erwartende Konstellation aus Urologie - Gynäkologie - (Chirurgie) - Physiotherapie selten ist. Zertifizierungen sind meist angestrebt, bzw. schon am Entstehen.

Interdisziplinäre Tumorzentren mit der Urologie als Partner und aktiver ambulant-stationärer Zusammenarbeit sind rar, Zertifizierungen liegen bisher keine vor. Zum Prostatazentrum haben sich bereits einige Abteilungen selbst ernannt, bzw. eine Spezialsprechstunde im Angebot. Eine Zertifizierung liegt landesweit bisher einmal vor (in Innsbruck).

Zusammenfassung

Zusammenfassend ist die Möglichkeit der Wahlarztordination für Fachärzte in Österreich ein positives Zukunftsmodell, Patienten können diese Leistungen gegen einen Selbstbehalt freiwillig konsultieren.

Die urologische Facharztausbildung wird in den nächsten Jahren reformiert werden, zeitgemäß sind in der ÖGU schon diverse Arbeitskreise für Fort- und Weiterbildung vorhanden.

Die Andrologie ist korrekterweise fest in urologische Hand. Es fehlt jedoch der urologische Nachwuchs, es gibt zu wenig Ausbildungsassistenten, vor allem in den nicht-universitären Einrichtungen. Das Problem der sinkenden Facharztzahlen betrifft jedoch alle Fächer der Medizin, es gibt daher momentan starke politische Bestrebungen eine vierte staatliche Universität in Linz aufzubauen. In den nächsten zehn Jahren werden viele urologische Kassenarztsitze neu besetzt werden (siehe Abb.2), vielleicht wird hier die Möglichkeit einer Gemeinschaftspraxis mehr Berücksichtigung finden. Zusätzlich stehen auch einige Neubesetzung von Primararztstellen an. Es muss jedoch kritisch hinterfragt werden, wie attraktiv diese Positionen überhaupt noch sind für den sogenannten Mittelbau.

Eine Verlagerung der ambulanten Patienten von den Kliniken in den Ordinationssektor ist bei der momentanen Versorgungslage nicht möglich. Die Patienten haben in der Regel eine Wartezeit von drei bis sechs Monaten in einer urologischen Kassenarzt-Ordination.

Die Zukunft der Kinderurologie in Österreich muss man kritisch sehen, es gibt kaum mehr Urologen mit dieser Spezialausbildung. Ebenso entgleitet die medikamentöse Tumortherapie der urologischen Fachgruppe. Eine Implementierung dieser Subspezifität in den urologischen Facharzt, wie auch bei der Andrologie praktiziert, wäre sicherlich eine Lösung. Interdisziplinäre Zentrumsbildungen sind nicht nur aus Sicht der Patienten sinnvoll. Ob jedoch Zertifikate eine Verbesserung der medizinischen Versorgung bringen, ist äußerst fraglich.

Doz. Dr. Frens Steffen Krause Leiter der Abteilung für Urologie und Andrologie, AKh Linz

F. S. Krause, Ärzte Woche 29/33/2012

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