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Urologie 13. Juni 2012

Entwarnung

Kein Herztod-Alarm durch Androgenentzug.

Hoch kontrovers diskutiert: Treibt die Androgendeprivation bei Patienten mit Prostatakarzinom die kardiovaskuläre Mortalität in die Höhe? Nach Alarmmeldungen der letzten Jahre sorgt eine Metaanalyse für Beruhigung.

 

Die Androgendeprivationstherapie (ADT) mit Agonisten des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) ist eine wichtige Säule in der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Weil vor allem in retrospektiven Studien eine Zunahme der kardiovaskulären Mortalität auftrat, mahnen einige US-Fachgesellschaften zur Vorsicht, und die FDA hat einen entsprechenden Warnhinweis für GnRH-Agonisten veranlasst.

Eine Metaanalyse von acht prospektiv randomisierten Studien mit 4.141 Patienten bringt jetzt mehr Klarheit (Nguyen PL et al.: JAMA 2011; 306: 2359–66).

Berücksichtigt wurden nur Studien, die sofortige GnRH-Agonisten-basierte ADT gegen keine oder verzögerte ADT bei Patienten mit nicht metastasiertem, aber prognostisch ungünstigem Prostatakarzinom unter die Lupe nahmen, vollständige Informationen über kardiovaskuläre Todesfälle und eine mediane Beobachtungszeit von mehr als einem Jahr aufwiesen.

Ergebnisse

Die Zahl kardiovaskulärer Todesfälle zwischen ADT-und Kontroll-Patienten unterschied sich mit einer Inzidenz von 11,0 vs. 11,2 Prozent nicht signifikant. Ähnliches gilt für die Studien mit einer über mindestens drei Jahre beziehungsweise nur maximal sechs Monate laufenden ADT. Die Analyse von 4.805 Patienten aus elf Studien mit Daten zur Gesamtmortalität ergab, dass sofortiger Androgenentzug mit signifikant geringerer Prostatakarzinom-spezifischer (13,5% vs. 22,1%) und Gesamtmortalität (37,7% vs. 44,4%) einherging.

Fazit: Diese Metaanalyse fand keine Evidenz, dass Androgenentzug das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle bei Prostatakarzinom-Patienten steigert. Die Patienten profitierten jedoch beim Prostatakarzinom-spezifischen und Gesamtüberleben. Unklar bleibt, ob man auch für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz oder Zustand nach Myokardinfarkt Entwarnung geben kann.

 

springermedizin.de/uw, Ärzte Woche 24 /2012

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